Gemeindebereich
Die Gemeinde Ober-Preschkau – Gerichtsbezirk Böhmisch-Kamnitz – bestand aus der Ortschaft Ober-Preschkau und dem einschichtigen Hegerhaus an der Gemarkung gegen Hille, Hülse. Innerhalb des Ortes wurden unterschieden: Oberdorf (Oberdorfstraße), Am Berg, Leischelstraße, Ortsmitteplatz bei Stübeln, Hahnelloch, Im Niederdorf.
Mundartliche Aussprache des Ortsnamens: „Ejba Preschke“.
Gesamtfläche der Gemeinde: 803 ha.
Ortsgeschichte
Die Gründung von Ober-Preschkau liegt ebenso wie die von Nieder-Preschkau im Dunkel. Für beide Orte gilt in gleicher Weise, dass einerseits die kleinbäuerliche Ortsstruktur auf einen späten Zeitpunkt (etwa 14. Jahrhundert) schließen ließe, während nach Untersuchungen des Ortschronisten Oberlehrer Franz Meixner mit einer Gründung schon im 11. Jahrhundert zu rechnen ist, und zwar durch eine Gruppe aus der Oberpfalz geflohene Wenden (Sorben). Falls dies zutrifft, dürfte aber doch im 14. Jahrhundert der Ausbau des Ortes durch Deutsche erfolgt sein, wie die Flurnamen schließen lassen.
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Den ältesten Nachweis für die Existenz der Siedlung im Preschkauer Tal bieten die Eintragungen im Kamnitzer Stadtbuch, jedoch ist Ober-Preschkau anfangs nicht als solches bezeichnet. Vielmehr geht aus der Nennung „in der niedrigsten Preisschav“ indirekt hervor, dass es auch ein oberes Preschkau gegeben haben muss. Vielleicht war die verwaltungsmäßige Trennung der beiden Orte noch nicht ganz vollzogen. Wahrscheinlich ist Ober-Preschkau sogar älter als Nieder-Preschkau, denn es war – nach der Struktur im 17. Jahrhundert zu schließen – der größere Ort (18 gegenüber 11 Gärtnerstellen in Nieder-Preschkau) und hatte bereits 1411 eine Kirche, deren Bereich das ganze Tal umfasste.
Über den Ortsnamen ist schon viel diskutiert worden. Allem Anschein nach kommt nur der Ableitung aus dem Altslawischen Worte „Priska oder Preisklasse“ = Quelle xxx Plausibilität zu, denn das ganze Gebiet der „Quellenau“ ist sehr Wasserreich. Es bleibt allerdings die Frage offen, ob dieses „Preisklasse“ ursprünglich ein Geländename war, der bei der Ortsgründung übernommen wurde, und dies dürfte wahrscheinlich sein, oder ob die Siedler bei ihrer Ankunft den Namen gegeben haben. Alle anderen Versionen, wie zum Beispiel die Zugrundelegung von „preschen =jagen, eilen oder mundartliches „Preisschild = böse, sind nicht stichhaltig.
Das Preschkautal war bereits seit 1283 Bestandteil der Älteren Herrschaft Scharfenstein. Im Zuge der Salhausen‘schen Güterteilung von 1535 kamen die beiden Preschkau, wie der ganze Raum um Kamnitz, als Heiratsgut an Anna von Salhausen, verehelicht mit Prokop von Wartenberg und damit zu der neugebildeten Herrschaft Kamnitz. Bei derselben blieben die beiden Orte – auch nach dem Ankauf durch die Familie Kinsky im Jahre 1614 – mehr als vier Jahrhunderte, nämlich bis 1850, aussieht dem Gerichtsbezirk Böhmisch-Kamnitz eingegliedert wurden.
Unter den ältesten bekannten Ortsnamennennungen im Kamnitzer Stadtbuch kommt die Spezifizierung „Ober-Preschkau“ nicht vor. Sie lautet außer der einen schon genannten: 1395 „Prescha“, 1409 „von Pryska“ und „czu Pryske“, 1411 „von der Prisk“, 1451 „von Preysske“ und 1457 „von nedrer preiskegeln“. In den teils lateinischund teils tschechisch in die Hoflehne- bzw Landtafel eingetragenen Urkunden kommt vor: 1457 und 1460 „Preyssk“ bzw. „Prejsk superior“, 1543 „w Preescze Horzeyssy“ = Ober-Preschkau), 1547 „Prassko Horzeyssy“, 1614 und 1619 „H. Pressluft“, 1635 „H. Presseamt“. In einem Robotverzeichnis von 1639 werden u. a. „Ober-Preschkker“ Einwohner erwähnt. Familienname n von 1451 sind Krumpholcz und Myleyn.
Die StR von 1654 erfaßte in „Presska Hornj“ 18 Gärtner und 38 Häusler auf Gemeindegrund, zusammen also 36 Häuser. Die Gärtner bewirtschafteten 2 bis 8 Strich Acker, lediglich der Schenk Georg Zinke besaß 12 Strich. Ihre Familiennamen waren: Krahl, Wentzel, Vetter, Bischoff, Fiedler, Küttel, Lauermann, Thomas, Weidlich, Wetzig und Zincke. Von den Gärtnern betätigte sich je einer als Faßbinder bzw. Tischler.
Der TK von 1713 verzeichnet in „Ober-Preschkau“ 18 Wirte und 55 Häusler, somit 73 Häuser insgesamt. An Gewerben waren vorhanden: 1 Müller mit einrädriger Mühle, 1 Glaser, 5 Glasschneider, 10 Fenstermacher, 1 Glasverleger, 1 Glashändler, 2 Schraubenerzeuger, 13 Hausierer mit Glas und 1 Krämer. Bereits 1694 hatte Graf Nobert Oktavian Kinsky die Glasmacherzunft in Steinschönau genehmigt, der auch Ober-Preschkau angeschlossen war. In der Müller‘schen Karte von 1720 kommt „Ober-Preschkau“ vor, in der Josefinischen Karte 1781/82 „Preschkau“.
Im Oberpreschkauer Gedenkbuch sind mehrere Glashändler der damaligen Zeit erwähnt, u. a. Johann Gottfried Palme in Ober-Preschkau, 1745 Johann Georg Kreibich, 1760 Franz Rösler (beide letztgenannten mit Handelsgeschäften in Warschau), Josef Wenzel in Lemberg, Johann Krahl‘s „Reisende Gesellschaft“, 1765 Gottfried Zirnsteinin Czenstochau, Gottfried Hackel in Warschau, Johann Richter in Jütland usw.
Der Topograph Schaller (1787) benennt für „Ober-Preschkau“ 96 Nummern und die Kirche mit einem Lokalkaplan; er benennt, das fast bei jedem Haus eine Quelle ist. Der Topograph Sommer (1833) beschreibt: 119 Häuser mit 731 Einwohnern, 1 Kirche als Expositur zur Böhmisch-Kamnitzer Stadtkirche, 1 Schule, 1 Mühle, 1 Forsthaus, sowie 215 Joch Wald. Der Ort wies mehrere Schleifmühlen und andere Glasveredlungsbetriebe, Glashandel, Baumwollweberein und Bleichen auf. Sommer erwähnte, dass der Glashandel bis nach Polen und Rußland gereicht habe. Dazu gehörten auch die Handelsleute Rösler, die in Warschau eine Glasfabrik errichtet hatten. Weiters ist bemerkenswert, dass der Handelsmann Paudler nach Leiden/Niederlandeübersiedelte und ebenso wie Rösler den Heimatort mit Geldspenden unterstütze. Das von Paudler gebaute Patrizerhaus Nr. 4 in Ober-Preschkau ging um das Jahr 1880 von Paudlers Erben an Josef Palme über, der in diesem Anwesen seit 1886 ein Glasexportgeschäft betrieb und durch fast 30 Jahre den gesamten Ort beschäftigten konnte.
Er trug seit 1913 nach Palmes Schwiegersöhnen den Namen Weidlich & Fiedler.
Im Jahre 1804 war das Freischurfrecht nach Metall und Halbmetallen für Ober-Preschkau erteilt wurden. Im Jahre 1875 gab es in Ober-Preschkau 11 Glaskugler, 3 Glasgraveure, 11 Glasmalerei, 1 Versilberer und 1 Spiegelmacher mit zusammen 34 Gehilfen.
Bei den Volkszählungen von 1869, 1880 und 1890 hatte Ober-Preschkau mit 1031, 1047 bzw. 1002 ausschließlich deutschen Einwohner den höchsten Bevölkerungsstand erreicht als Folge der aufblühenden Glasindustrie.
Die häufigsten Familiennamen 1934 waren: Fiedler, Wenzel, Ludwig, Köhler, Kühnel, Lorenz, Friedrich, Fritsche, Tischler, Jaksch, Klinger, Kny, Langer, Müller, Nittel, Sxhönberger, Beitlich, Donath, Endler, Krahl, Krause, Stolle.
Ehrenbürger der Gemeinde war Josef Schams, Oberlehrer.
Der Verfasser der „Ortskunde“ von Preschkau von 1914, gedruckt Haida 1919, Franz Meixner (* Greifendorf bei Zwittau/Mähren 1859), war Lehrer in der Nachbargemeinde Nieder-Preschkau.
Lage
Ober-Preschkau liegt an der von der Kamnitzer-Haidaer Staatsstraße (Kaiserstraße9 bei Oberkamnitz nach Osten abzweigenden Bezirksstraße, die über Nieder- nach Ober-Preschkau und weiter nach Blottendorf führt. Eine andere Bezirksstraße verbindet Ober-Preschkau mit der Gemeinde Parchen-Schelten. Die Meereshöhe Ober-Preschkau bewegt sich zwischen knapp 400 und 500. Von Böhmisch-Kamnitz ist der Ortsmittelpunkt 6 km entfernt.
Bodengestalt
Das Gemeindegebiet Ober-Preschkau nimmt eine von Osten nach Westen geneigte Mulde ein, in deren eigentlichem Taleinschnitt sich die Ortschaft befindet. Überragt wird das Gelände im Norden vom Schäferberg (620 m) und Auerhübel (572 m), im Osten von den schon außerhalb der Gemeinde liegenden Höhe des Blottendorfer Kammes (622 m) und des Silberbels 609 m) sowie im Süden vom Steinschönauer Berg (624 m) und vom Mathias-Berg mit der Bildsteinhöhle (634 m), von denen letztere in der Gemeinde Parchen liegt.
Der sich östlich anschließende Kamm bildet die Grenze zur Gemeinde Scheiba/Kreis Böhmisch-Leipa.
Beachtlich ist die Flora des Schäferberges, wo besonders die Gucklerblume häufig ist. Im Nordteil der Gemeinde herrscht Sandstein vor, im Südteil Basaltstuff; von den herausragenden Gipfeln bestehen einige aus Basalt, andere aus Phonolith. Markante Felsen: Zischstein, Lorenzstein, Mindelfelsen und Zaukenstein. Als „Twifelslöcher“ wird eine romantische Schlucht im Norden der Gemeinde bezeichnet.
Die Gemeindefläche ist zu 60 % forstwirtschaftlich und zu. 40 % landwirtschaftlich zum Kinsky‘schen Revier B (Ober-Preschkau) mit je einem Hegerhaus im Ort und an der Hillemühler Grenze.
Gewässer und Trinkwasserversorgung
Ober-Preschkau wird vom Preschkauer Bach durchflossen, der aus dem Hokenborn auf der Blottendorfer Lehne kommt und bei Oberkamnitz in den Kamnitzbach mündet. Im Oberlauf, wo er auch Forellenbach genannt wurde, nimmt er das Wasser des Natterngrabens auf. Im Ortsbereich fließt ihm das Leischelwasser zu. Der Schwarzbach, xxx und bei Hillemühl in den Kamnitzbach mündet, bildet die Grenze zur Gemeinde Hillemühl. – Teiche: Im Ort ein kleiner Karpfenteich und im Hahneloch Ulbrichts Teich. Trinkwasserversorgung: Bei den einzelnen Häusern sind teils Borne und Pumpen, teils private Wasserleitungen vorhanden.
Flurnamen
Horte, Faule Brücke, Franzosenlöcher, Husche, Mühlheide, Streuplan, Halbe Butte, Mühlräumicht, Auerhübel, Schälicht, Stollensloch, Lindenhübel, Teufelslöcher, Wolfgrund, Blottenlehne, Hopfengarten, Kasperlehne, Kohlstatt, Dachslöcher, Natterngraben, Keilholz, Judenfriedhof, Tellerbüschel, Schönauerberg, Zinkschisters, Limberg mit Zaukenstein, Tischlersloch, Scharte, Auf der Scheibe, Im Schelten, Steinbauers Grundlehne, Austens Grundlehne, Geündel, Beim Gehängten, Kirchberg, Sandweg, Vogelberg, Scharte.
Bevölkerung und Erwerb
Ober-Preschkau war auch vor der Industrialisierung kein typisches Bauerndorf, denn es wies stets fast ausschließlich kleinbäuerliche Betriebe auf, neben denen bald andere Berufe, insbesondere im 17. Jahrhundert die Glasveredlung, aufkamen. Besonders seit dem 19. Jahrhundert nahm die Glasindustrie einen bedeutenden Aufschwung.
Im Jahre 1939 gehörten nur 11 % der Bevölkerung dem Wirtschaftsbereich Land- und Forstwirtschaft an. Es gab 18 landwirtschaftliche Betriebe, die mehr als 5 ha Fläche hatten (einschließlich Wald), aber nur 11 stellten Haupterwerbsbetriebe dar. Hingegen waren die kleinen Landwirtschaft recht zahlreich. Dies waren Nebenerwerbsbetriebe von Arbeitnehmern, andere Wirtschaftsbereiche. Die höchste Quote mit 63,3 % der Einwohnerschaft entfiel auf Industrie und Handwerk, entsprechend hoch (64 %) war die Zahl der Arbeiter. Der größte Teil von diesen übte Glasveredlungsberufe in den ortsansässigen Betrieben aus. Außerdem gab es zahlreiche Heimarbeiter. Ein kleiner Teil war jedoch auch in den Steinschönauer Lusterfabriken und Glasgeschäften sowie in den Oberkamnitzer und Böhmisch-Kamnitzer Fabriken, besonders in den Papierfabrik Fuchs, tätig; auch die Forsten boten einige Beschäftigungsmöglichkeiten.
Das Glasveredlungsgewerbe umfasste 4 Glasraffenerien:
Weidlich & Fiedler (vormals Josef Palme), Emil Kittel, Anton Görner, Paul & Wenzel, ferner 12 Glasschleiferein und 8 Glaskugler (davon hatte je die Hälfte Wasserkraft- und Motorantrieb), 11 Glasmaler sowie mehrere Glasgraveure. Von den etwa 230 selbstständigen Wohnpartein des Adressbuches von 1934 gingen 90 einem Beruf in der Glasindustrie (als Schleifer, Kugler, Maler, Glasmacher, Ziseleure, Gürtler usw.) nach.
Außerdem bestanden ein Steinbruchbetrieb mit Dachziegelerzeugung, 1 Kunstblumenerzeugung in Heimarbeit sowie 2 Mühlen, von denen eine auf Glasschleiferei umgestellt war. An alten Handwerken gab es in den 20er Jahren einen Siebmacher (Heinrich Donath) und einen Zinngießer (Robert Wenzel); letzterer war auch als Sanitäter und Heilpraktiker über den Ort hinaus bekannt; besonders schwere und schwerste Verbrennungen hat er durch seine Methode zu heilen verstanden. Schon 1914 gab es den Konsumverein „Eintracht“.
Verkehr, Gastgewerbe, Sport
Bahnstation: Ober-Preschkau seit 1903 (Verlängerung der Lokalbahn von Steinschönau nach Böhmisch-Leipa) – siehe „Unser Niederland“ 2018 – Bahnhof – Vor dieser Zeit war Böhmisch-Kamnitz die nächste Bahnstation (seit 1869). Seit 1895 hat Ober-Preschkau ein Postamt. Autobusverbindungen gab es ab Füllerdörfel (Nieder-Preschkau) und Tetschen und Haida. Auch die Dobrankatal Verkehrsgesellschaft unterhielt eine Busverbindung von Böhmisch-Kamnitz nach Preschkau und Meisterdorf.
Sportanlagen: Sportplätze des Arbeiterturnvereins im Gründel und des Deutschen Turnvereins. Seitens des letzteren war der Bau eines Badeteichs und Eislaufplatzes geplant. Turnhalleneinrichtung in Kleinpeters und Fiedlers Gasthaus.
Pfarrei, Matriken, Kirche
Die Pfarrei St. Peter und Paul ist aus einer alten Filialkirche hervorgegangen, die schon 1411 bestand (Kamnitzer Stadtbuch: Streit bei der „Prysker Kirmessen“) und im 16. Jahrhundert (Nachgewiesen 1564) zur Pfarrei Steinschönau, ursprünglich Dekanat Leipa, gehörte. In der lutherischen Zeit von 1565 bis 1630 wurde sie stärker an Kamnitzbach gebunden und war 1654 eine Filialkirche der Stadtpfarrei St. Jakob. Für das Jahr 1787 wird von einem Lokalkaplan und 1833 von einem Expositen der Pfarrei Böhmisch-Kamnitzbach in Ober-Preschkau berichtet. Nach dem Dreißigjährigen Krieg bis 1784 waren auch Hillemühl und Falkenau zur Kirche in Preschkau zuständig. Erst 1852 wurde in Ober-Preschkau eine selbständige Pfarrei im Rahmen des Vikariats Böhmisch-Kamnitzbach errichtet, zu deren Sprengel Nieder-Preschkau samt Füllerdörfel gehörte. Letzter Pfarrer seit etwa 1910 war Dechant Eduard Firtik (♰ 1932); anschließend wechselnde Administratoren und ab 1938 Verwaltung durch die Pfarrei Steinschönau.
Die Matriken für Ober-Preschkau sind seit 1671 durchgehend erhalten; außerdem existieren 147 Begräbniseintragungen von 1580 bis 1612 auf losen Blättern, nur denen der Orte „Preschkau und Preschkau“ geschrieben wurde. Daten zurück bis 1630 könnten in den Kamnitzer Matriken zu finden sein.
Die Pfarrkirche St. Peter und Paul war ursprünglich ein hölzerner Bau, der 1639 von den Schweden zerstört und 1644 durch ein neues steinernes Gebäude ersetzt wurde; die Aufstockung des Turmes geschah 1680. Die bis 1940 vorhandenen alten Kirchenglocken stammen von 1669, 1739, 1774 und 1787. Die älteste nennt u.a. den Namen des seinerzeitigen Richters Christoph Füller. In den Jahren 1718 bis 1721 erfolgte der Bau der jetzt noch stehenden Kirche unter der Leitung von Peter Paul Columbani, und zwar am Schulberg etwas seitlich von der vorhergehenden Kirche und dem stehengebliebenen alten Turm. Im Jahre 1741 wurde der Turmknopf erneuert und Mitteilungen aus jener Zeit eingelegt. 1745 wurde die Orgel eingebaut, 1763 die schöne Kanzel von Anton Max aus Bürgstein geschaffen und 1785 das Pfarrhaus errichtet.
Die Kirche hat barocken Stil, ist einschiffig mit konvex geschweiften Wänden und halbkreisförmigem Chorabschluß, Schiff und Chorraum sind mit Stuckaturen und Gesimsen Versehen; Einrichtung aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts; Statuen der Heiligen Wenzel und Siegmund sowie eine Pieta von Mitte des 18. Jahrhundert Von den zwei Seitenaltären stammt der rechte noch aus der alten Kirche. Über dem Kirchenportal ist das Kinsky‘sche Wappen angebracht.
Kirchenfest: Peter und Paul (29. Juni); Gelöbnistag am ersten Montag im August zusammen mit der Blottendorfer Prozession zur Marienkapelle in Böhmisch-Kamnitz; besondere Prozession an Bittagen. Gedenkkreuze und Statuen: Steinbauers oder Kittels Kreiz, renoviert 1938, Fiedlerbauers Kreuz, geweiht 1844, Schenkens Kreuz, Dechant Winklers Kreuz, geweiht 1897, Fleischhauers Kreuz, geweiht 1897, Kreibisch Kreuz, Müllers Kreuz, errichtet 1845 und Friedhofskreuz, geweiht 1865, Marienstatue beim Kirchturm, errichtet 1715, Marienbild am Kelchstein, errichtet 1719, und Marienstatuette am Schulstein von 1913.
Friedhof: Zwischen Kirche und Glockenturm.
Schule
Ursprünglich war Ober-Preschkau nach Steinschönau eingeschult (belegt 1564). Die älteste Nachricht über eine eigene Schule in Ober-Preschkau stammt aus dem Jahre 1702. im Jahre 1833 war Franz Endler als Lehrer tätig.
Die moderne gesetzliche Volksschule erhielt 1878 ein neues schönes Gebäude; sie war schon zur Zeit ihrer Einrichtung dreiklassig und blieb es bis 1945. Seit 1835 wurde in Nieder-Preschkau eine Winterschule unterhalten. 1872 schied Nieder-Preschkau aus dem Schulsprengel aus.
Verwaltung
Von 1850 bestand eine Dorfrichterei, die sich zur Zeit des letzten Richters Karl Palme im Haus Nr. 5 befand. Aus früherer Zeit sind die Namen folgender Richter bekannt: Georg Zincke (1654), Christoph Füller (1689 – 1741), Johann Franz Füller, Leopold Horn (beide 18. Jahrhundert). Von 1850 bis 1887 war Nieder-Preschkau nach Ober-Preschkau eingemeindet.
Vorsteher bzw. Bürgermeister seit 1911: Karl Wenzel, Josef Pohl, Johann Ludwig, Emil Vater und einige Monate Oskar Köhler.
Gemeindepersonal: 1 Gemeindediener.
1930 wurde ein Gemeindehaus erbaut. Im Jahre 1920 wurde der Ort elektrifiziert.
Kulturpflege und Vereinsleben
Vereine: Arbeiter-Turn- und Sportverein seit 1888, Deutscher Turnverein seit 1904, Frauenbeerdigungsverein, Freiwillige Feuerwehr seit 1871, Geflügel-, Vogel- und Kleintierzuchtverein, Verein gedienter Soldaten, Gesangsverein „Orion“ seit 1880, Landwirtschaftliches Kasino, Schul-Kreuzerverein, Theater-Dilettantenverein, Naturheilverein, Ortsgruppe des Gebirgsvereins für das nördlichste Böhmen seit 1902, Bienenzüchterverein seit 1907, Bund der Deutschen seit 1901, Deutscher Kulturverband, Arbeitnehmer-Gewerkschaft des Glasarbeiter-Zentralverbandes; die Musikkapelle wurde 1835 gegründet.
Brauchtum: Osterreiten; die Ober-Preschkauer Reiter schlossen sich mit Musik den von Steinschönau kommenden Reitern an, zogen diesen nach Nieder-Preschkau und schließlich zur Kirche nach Steinschönau.
-Theater und Konzerte wurden von beiden Turnvereinen und vom Theaterverein unter Mitwirkung der Musikkapelle veranstaltet.
Sonstiges: Gemeindebücherei mit 800 Bänden im Bürgermeisteramt.
Sehenswertes
Eine vom Gebirgsverein errichtete Anlage im Gemeindewald, bestehend aus gepflegten Wegen und einer Schutzhütte. 1930 wurde bei Stollsbuche ein Jahn-Gedenkstein gesetzt. Der Verein gedienter Soldaten erstellte auf dem Schulberg ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges. Zwei Hegerhäuser der Kinsky’schen Domäne. Bauernhäuser verschiedener Bauart. Gedenktafel an der Kirche für die Gefallenen der in der Nähe stattgefundenen Gefechte im Siebenjährigen Krieg (1757).
Nachwort (Ausklang)
Die Kriegsverluste von Ober-Preschkau betrugen – soweit feststellbar – 66 Gefallene und Vermisste, das sind 14 % der männlichen Bevölkerung von 1939. Im Jahre 1959 befanden sich von den ehemaligen Bevölkerung 39 % in der Bundesrepublik Deutschland, 40 % in der Deutschen Demokratischen Republik, 11 % in der CSSR (zurückgebliebene Glasfachkräfte) und 1 % im übrigen Ausland.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Ober-Preschkau zur Tschechoslowakei zurück. Die deutschen Bewohner wurden bis 1946 vertrieben und der Ort erhielt den Namen Horní Prysk (deutsch Ober-Preschkau).
Nach dem neuen tschechischen Gemeindeverzeichnis gibt es eine Gemeinde Prysk (deutsch Preschkau), die aus den Ortschaften Ober- und Nieder-Preschkau sowie Füllerdörfel besteht. Diese Gemeinde hatte 1961 insgesamt 151 bewohnte Häuser (1939 etwa 315) und 674 Einwohner (1939: 1835). Davon entfielen auf Ober-Preschkau 236 Bewohner (1939: 9499, das heute zum Kreis Böhmisch-Leipa gehört.
Heute
Horní Prysk (deutsch Ober Preschkau) ist eine Gemeinde in Tschechien, Verwaltungsteil von Prysk (deutsch Preschkau) im Okres Česká Lípa in Tschechien.
Tetschen-Bodenbach – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach (Hrsg.) „Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Ein Buch der Erinnerung“ – 1969
Alfred Herr “ Heimatkreis Tetschen-Bodenbach: Städte und Gemeinden. Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach e.V.“ 1977 – S.587-593