Gemeindebereich
Die Gemeinde Kunnersdorf- Gerichtsbezirk Böhmisch-Kamnitz – bestand aus der Ortschaft Kunnersdorf. Mundartliche Aussprache des Ortsnamens: Kunnerschdruff
Gesamtfläche der Gemeinde: 721 ha
Ortsgeschichte
Kunnersdorf ist wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts als doppelseitiges Waldhufendorf von deutschen Siedlern gegründet worden. Zurzeit, als Kamnitz um die Mitte des 13. Jahrhunderts zur Stadt erhoben wurde, müsste Kunnersdorf – ebenso wie einige andere Dörfer des näheren Umlandes der neuen Stadt – bereits bestanden haben. Der Ort entstand in der Spätphase der deutschen Kolonisation in Böhmen. Nachdem die tiefergelegenen Täler bereits besiedelt waren, wandten sich die neuen Siedler den höheren Gebieten zu. Kunnersdorf wurde erstmals 1416 als Cunradstorf erwähnt. Der Ortsname ist eindeutig aus der alten, bei der Gründung eingeführten Form „Kunratsdorf“ entstanden, wie die älteren Schreibungen ersehen lassen. Wahrscheinlich trug der Lokator der Ortschaft den Personennamen Kunrat # Konrad. Das Gebiet um Kunnersdorf kam 1283 zur älteren Herrschaft Scharfenstein, die sich zuerst in der Hand der Herren von Michelsberg und dann der Herren von Berka, von Wartenberg und von Salhausen befand. Infolge der zweiten Teilung der Salhausen’schen Güter kam Kunnersdorf 1535 an die neu eingerichtete Herrschaft Kamnitz und damit nochmals an die Wartenberger (Anna von Salhausen verheiratet mit Prokop von Wartenberg). Bei Kamnitz blieb Kunnersdorf – auch nach dem 1614 erfolgten Übergang an die Familie Kinsky – bis 1850 und wurde dann in den Gerichtsbezirk Böhmisch-Kamnitz einbezogen.
Die älteste bekannte Nennung des Ortes ist die von 1380.
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In jenem Jahre wurde im Kamnitzer Stadtbuch Niklas bzw. Nicke Tile von „Cunradsdorf“ mehrmals erwähnt. In den Jahren 1389, 1391 und 1393 kommt der Ort „Cunradsvilla“, „Kunratsdorff“, „Kunersdorff“ und „Kunrosstorf“ in dieser Quelle vor. Auch die tschechischen Urkunden der Hoflehen- und Landtafel der Jahre 1457, 1460, 1553, 1547 und 1614 kennen nur die deutsche Schreibweise wie „Kunersdorff“, „Kunesdorff“ oder ganz ähnlich; 1635 ist – wohl irrtümlicherweise – „Kynerstorf“ geschrieben. Die ältesten überlieferten Familiennamen von Kunnersdorf sind durchwegs Deutsche, und zwar sind im Kamnitzer Stadtbuch außer dem 1380 erwähnten Tille aufgeführt: Michel 1385 und 1389, Lehmann 1471 und Rollbusch 1482. Der Name Eschler ist seit dem 16. Jahrhundert bezeugt.
Gemäß der Steueruvon 1654 war „Kunnersdorff“ wie folgt besetzt: 20 Bauern, 1 Gärtner, 2 Häuser auf Bauerngrund und 12 Häusler auf Gemeindegrund; zusammen gab es somit 35 Häuser. Die Familiennamen der 10 Vollbauern mit 10 bis 24 Strich Acker waren: Eschler, Bittner, Büchse, Knappe, Knechtl, Krauß, Richter, Vatter und Weinschner. Ein Georg Eschler mit 18 Strich hatte die Dorfschänke (später Haus Nr. 1). Die 10 Halb-Bauern mit 6 bis 9 Strich hießen: Eschler, Bittner, Engl, Fiedler, Lößl und Weinschner. Als Fuhrleute betätigten sich ein Vollbauer und zwei Halbbauern.
Nach dem TK von 1713 betrug in „Kunnersdorff“ die Zahl der Wirte 23 und die Zahl der Häusler 18, sodass die damalige Gesamtgröße des Ortes mit 41 Häusern zu beziffern ist. Die erwähnte Mühle auf einem Mühlenrad dürfte mit der bereits 1478 und 1484 bezeugten Mühle identisch sein.
Von den Häuslern waren 5 als Hausierer, Landgänger mit Schubkarren, 1 als Fensterflicker und 1 als Spielmann tätig.
Am Himmertsberg fanden in der Nacht vom 19. zum 20. Juli 1757 ganz in der Nähe von Kunnersdorf, aber schon auf dem Gebiet von Hasel, heftige Kämpfe des Siebenjährigen Krieges zwischen preußischem und österreichischem Militär statt. Daran erinnert ein Gedenkstein zwischen Kaltenbach und Limbach. Auch in der Müller’schen Karte von 1720 findet man die Schreibung „Kunnersdorff“, in der Josefinischen Karte von 1781/82 „Kunersdorf“. Ganz in der Nähe von Kunnersdorf, aber schon auf Haseler Gebiet, fanden 1757 heftige Kämpfe zwischen preußischen und österreichischen Militär statt.
In der Landesbeschreibung Schallers (1787) heißt es lediglich: „Kunersdorf“, 69 Nummern am Weißbach. Der Topograph Sommer (1833) wusste von „Kunnersdorf“ zu berichten: 84 Häuser mit 499 Einwohnern, 1 Schule u. 1 Mühle.
Von Mitte des 19. Jahrhunderts an wurde die Schreibung des Ortsnamens amtlicherseits mit „Kunersdorf“ festgelegt, doch ist daneben weiterhin die Schreibung „Kunnersdorf“ anzutreffen gewesen. Seinen höchsten Bevölkerungsstand erreichte Kunnersdorf 1869 mit 564 Einwohnern; 1890 wurden 522 und 1910 501 deutsche Einwohner; 1930 mit 494 Einwohnern und 1939 mit 492 Einwohnern gezählt. Der für ein Bauerndorf ohne eigene Industrie nur geringe Rückgänge, der auch bis 1945 in engen Grenzen blieb, beruht auf der Stadt nahen und verkehrsgünstigen Lage von nur 2 km Entfernung vom Zentrum des Industrialisierten Böhmisch-Kamnitz.
Die häufigsten Familiennamen von Kunnersdorf waren 1934: Eschler, Schiefner, Tschinkel, Zeckert, Knechtel, Fiedler, Hickisch, Kreibich, Bendel, Hantschel, Kasper, Michel, Vater und Zekert.
Lage
Die Ortschaft Kunnersdorf – in 310 bis 350 m Meereshöhe – liegt an der Bezirksstraße von Böhmisch-Kamnitz über Kaltenbach nach Nieder-Kreibitz. In Kunnersdorf zweigt eine weitere Bezirksstraße nach Hasel, ein Fahrweg nach Philippsdorf (Gemeinde Nieder-Kamnitz) sowie ein Fahrweg bis fast auf den Ottenberg ab. Kunnersdorf liegt 2 km nördlich von Böhmisch-Kamnitz.
Bodengestalt
Das Gemeindegebiet von Kunnersdorf liegt in einem bergigen Gelände, in welches die Talmulde des Weißbaches mit der Ortschaft Kunnersdorf eingebettet ist. In den äußersten Nordwesten der Gemeinde reichen Sandsteinfelsen der Nebentäler des Kreibitzbaches (Rauschenfloß). Auch im Mittel- und Südteil der Gemeinde überwiegend sandige Böden. Die Bergkuppen des Gemeindegebietes, die teils aus Sandstein und teils aus eruptivem Gestein bestehen, sind im Nordwesten: Großer Berg (334 m), Ottenberg (479 m) mit der seit 1891 bestandenen Aussichtswarte und Schutzhütte des Gebirgsvereins für die Böhmische Schweiz, Groh- oder Krohberg (364 m); im Südosten: Schenkenberg, Deusberg (414 m), auch Elisberg genannt, Brand (412 m), früher Brennberg mit den überbrückten Sandsteinklippen „Brandfelsen“ (Großer und Kleiner Brand), Huttenberg (506 m), auch Lotterberg oder Elisberg bzw. Elisberg genannt. Das Schwanken der Geländenamen ist dadurch zu erklären, dass die letztgenannten Gipfel nahe beieinanderliegen. Der Kunnersdorf im Nordosten überragende, orchideenreiche Himmertsberg (539 m) liegt bereits im Bereich von Hasel.
Die Gemeindefläche von Kunnersdorf ist zu 55 % landwirtschaftlich genutzt worden und zu 40 % von Wald bedeckt.
Gewässer und Trinkwasserversorgung
Kunnersdorf liegt an dem auf der Sattelhöhe zwischen Rolleberg und Himmertsberg entspringenden Weißbach oder Johnsbach. Im Norden des Gemeindegebietes entspringt das zum Kreibitzbach abfließende Rauschenfloß.
Der zur Gemeinde gehörende Noldenteich (erwähnt 1756) liegt an der östlichsten Gemeindegrenze an der Straße von Oberkamnitz nach Hasel.
Flurnamen
Schwarze Pfütze (ehem. Teich), Heidehübel (Hedehübel), Bauersberg (gehörte früher zu Oberbauers Wirtschaft), Biensteig. Im Grunde, Lerchenberg, Im alten Wege („ein alt‘n Wage“), Alter Salzweg, Im Schindergraben, Omshübel und „Omshörnl“, Nesselgrund, Auf der Kolche (ehem. Köhlerplatz), Im Tannicht, Mühlgrube, Schenkenberg, Doftscheibe („Doft“, ein früherer Besitzer der Wirtschaft Nr. 29), Gersgraben, Taubengrund, Tiefer Han, Sandgrube, Kühltrebe und Ziegenrücken.
Bevölkerung und Erwerb
Kunnersdorf war bis 1945 infolge des Fehlens eigener Industriebetriebe einerseits ein Bauerndorf geblieben, anderseits war es Wohnort für zahlreiche außerhalb beschäftigte gewerbliche Arbeitnehmer. So ist es zu erklären, dass trotz des Vorhandenseins von 24 Landwirten und Feldgärtnern (Lot. Adressbuch 1934) bzw. diesen etwa entsprechend – 24 landwirtschaftlichen Betrieben mit 5 und mehr ha Fläche (davon 10 mit mehr als 20 ha), der Anteil der Land- und forstwirtschaftlichen Bevölkerung (35,4 %) geringer war als der Anteil des Sektors Industrie und Handwerk (44,3 %). In Anbetracht dieser Struktur war auch der Anteil der Arbeiter mit 42 % recht bedeutend. Interessant ist, dass die meist in Händen von Arbeitnehmern befindlichen Nebenerwerbsbetriebe mehr in der Größenklasse 2 bis unter 5 ha waren als unter 2 ha. Die in Kunnersdorf ansässigen Arbeiter hatten ihre Arbeitsplätze zumeist in Böhmisch-Kamnitz, insbesondere bei der Möbelfabrik Emil Nitsche, in der Maschinenfabrik Adolf Renger und in der Papierfabrik der Firma Fuchs.
In Kunnersdorf selbst befanden sich an Produktionsbetrieben überörtlicher Bedeutung lediglich die Mahlmühle Klimt und der Betrieb Apparatebau und Schlosserei Tschinkel.
Ferner gab es die Agentur landwirtschaftlicher Maschinen Hickisch und etwa seit 1920 die Filiale des Böhmisch-Kamnitzer Konsumvereins „Einigkeit“. Ein vor dem Ersten Weltkrieg vorhanden gewesene Zement-, Falz- und Dachziegelerzeugungsbetrieb hatte in den 20er Jahren aufgegeben. Ein alter Handwerkszweig war die Faßbinderei.
Verkehr, Gastgewerbe, Sport
Nächste Bahnstationen und nächstes Postamt: Böhmisch-Kamnitz. Autobusverbindung mit Böhmisch-Kamnitz und Hasel.
Gastgewerbe: 3 Gasthäuser, und zwar: „Zur Edmundsklamm“ (Grasse, Nr. 78), „Zum Felsenkeller“ (Kreibich, Nr. 79), „Zur Stadt Kamnitz“ (Richter, Nr. 88). Das älteste Gasthaus, die „Schänke“ im Haus Nr. 1, mit der gleichzeitig die Dorfrichterei verbunden war, wurde Ende der 30er Jahre geschlossen.
Sportanlagen: Sportplatz, Freizeitbad
Pfarrei, Matriken, Kirche
Kunnersdorf gehörte stets zur Pfarrei St. Jakob in Böhmisch-Kamnitz und war mit dieser von Mitte des 16. Jahrhunderts bis 1630 lutherisch. Die Matriken für Kunnersdorf sind wie alle Kirchenbücher von Böhmisch-Kamnitz seit 1630 erhalten.
Gedenkkreuz: „Grünes Kreuz“ linksseitig an der Straße nach Limbach; „Bauers Kapelle“, Bildstock an der Straße nach Limbach.
Gelöbnistag: Am 7. September feierliche Prozession mit Musik zur Marienkapelle in Böhmisch-Kamnitz; eingeführt 1787 anlässlich des Erlöschens einer Ruhrepidemie.
Friedhof: Nach dem Ersten Weltkrieg linksseitig nahe der Straße Richtung Hasel errichtet; vorher erfolgten alle Beerdigungen in Böhmisch-Kamnitz.
Schule
Die Schule von Kunnersdorf dürfte um das Jahr 1800 gegründet worden sein, weil damals unter Mithilfe der Herrschaft Kamnitz ein Schulgebäude (Haus Nr. 58) errichtet wurde. Im Jahre 1833 bestand eine Filialschule von Böhmisch-Kamnitz, deren Lehrstelle damals unbesetzt war. Die Schule von Kunnersdorf bekam vor dem Ersten Weltkrieg die Zweitklassigkeit und behielt diese bis 1945.
Verwaltung
In den ersten Jahrhunderten seines Bestehens besaß Kunnersdorf ein Erbgericht, dessen Richter Michil 1385 und 1389 im Kamnitzer Stadtbuch erwähnt wurde. Später bestand bis 1850 eine Dorfrichterei, die sich zuletzt im Haus Nr.1 (Hausname „Schenke“) befand.
Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister seit 1918 waren: Franz Piesche, Anton Zeckert („Limbauer“), Josef Löhnert („Polmschuster“) und Anton Seidel. Gemeindepersonal: Gemeindesekretär (bis 1914) und 1 Wachmann (bis in die 20er Jahre).
Kulturpflege und Vereinsleben
Vereine: Freiwillige Feuerwehr, Frauenbeerdigungsverein, Landw. und gewerbliche Kasino, Theaterverein, Ortsgruppe des Deutschen Kulturverbandes.
Brauchtum: Osterreiterprozession nach Böhmisch-Kamnitz.
Sonstiges: Gemeindebücherei seit 1926 mit 284 Bänden.
Sehenswertes
Mühle, jedoch kunsthistorisch kaum bedeutsam (Nr. 7); Bauernhäuser; Glockenturm; Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges am Friedhof. Nach 1945 blieb der Friedhof verlassen und wurde zerstört.
Nachwort (Ausklang)
Die Kriegsverluste von Kunnersdorf betrugen – soweit feststellbar – 21 Gefallene und Vermisste, das sind 8,6 % der männlichen Bevölkerung von 1939. Im Jahre 1959 befanden sich zwei Drittel der ehemaligen Einwohner in der Bundesrepublik und ein Drittel in der Deutschen Demokratischen Republik.
Nach dem Stand von 1961 hatte die Gemeinde Kunratice (deutsch Kunnersdorf) 62 ständig bewohnte Häuser und 238 Bewohner gegenüber 102 Häusern und 489 Einwohnern im Jahre 1939.
Tetschen-Bodenbach – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach (Hrsg.) „Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Ein Buch der Erinnerung“ – 1969
Alfred Herr „Heimatkreis Tetschen-Bodenbach: Städte und Gemeinden“ Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach e.V.“ 1977 – S.495-498
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Kunnersdorf zur Tschechoslowakei zurück. Die deutschen Bewohner wurden bis 1946 vertrieben und der Ort erhielt den Namen Kunratice (deutsch Kunnersdorf).
Die tschechische Gemeinde Kunratice (deutsch Kunnersdorf) hatte 1961 238 Einwohner mit 62 bewohnten Häusern, gegenüber 102 Häusern und 489 Einwohnern im Jahre 1939.
1981 wurde die Gemeinde an die Stadt Česká Kamenice angeschlossen, jedoch in den 1990er Jahren wieder eigenständig.
Heute

Kunratice (deutsch Kunnersdorf) ist ein Ort im Norden Tschechiens nahe Česká Kamenice (deutsch Böhmisch Kamnitz). Am 28.08.2006 waren es nur noch 256 Menschen, am 01.01.2018 waren es 252. Zur politischen Gemeinde Kunratice gehören heute auch die Ortschaften Studený (deutsch Kaltenbach) und Lipnice (deutsch Limbach).
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