Trautenau

 

Geschichte:
Nach der Verwaltungsreform von 1849 war Trautenau Sitz der Sitz des Gerichtsbezirk Trautenau im gleichnamigen Bezirk. Von wirtschaftlicher Bedeutung waren neben der ertragreichen Landwirtschaft die von dem Industriellen Johann Faltis 1823 errichtete Leinenmanufaktur und Baumwollweberei und weitere Textilbetriebe und Handelsfirmen u. a. der Theer von Silberstein aus Arnau, den Industriellenfamilien Kluge aus Hermannseifen, Firma Etrich aus Freiheit und Oberaltstadt und Firma Walzel von Wiesentreu in Parschnitz mit Handelsniederlassungen in Österreich, Deutschland, Russland, den Niederlanden und England. Eine europaweit beachtete Garnbörse mit einem Flachsfasermarkt, gegründet 1875 von dem Industriellen Alois Haase, sowie eine holzverarbeitende und eine elektrotechnische Industrie förderten das Steueraufkommene und den Ausbau der Stadt. Durch das Toleranzedikt des Jahres 1781 von Kaiser Joseph II. entstanden in Trautenau wieder evangelisch-lutherische, jüdische und altkatholische Glaubensgemeinschaften mit dem Bau einer evangelischen Kirche in neugotischem Stil, einer Synagoge und einer Betstube für Altkatholiken.

Im Deutschen Krieg fand am 27. Juni 1866 die Schlacht bei Trautenau zwischen preußischen und österreichischen Truppenverbänden statt. Der Trautenauer Militär-Veteranen-Verein ließ 1868 einen 17 m hohen Obelisk auf dem Gablenzberg errichten, in dessen Inneres im Jahre 1905 die sterblichen Überreste des österreichischen Feldherrn Ludwig von Gablenz von Zürich nach Trautenau überführt wurden, um ihre letzte Ruhe zu finden. Am 1. August 1868 erreichte die Bahnstrecke von Josefstadt zur schlesischen Landesgrenze der Süd-Norddeutschen Verbindungsbahn den Vorort Parschnitz, im Herbst 1870 wurde dann der Hauptbahnhof eröffnet. Im Jahre 1871 erfolgte die Eröffnungen weiterer Bahnverbindungen nach Hohenelbe, Freiheit und Altpaka.

Ab Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Tourismus im Riesengebirge. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es zu Konflikten zwischen Deutschen und Tschechen. Zur Ausbildung der Kinder hatte die Stadt einen katholischen Kindergarten, Volksschulen für Jungen und Mädchen, eine Lehrerbildungsanstalt, eine Landwirtschaftsschule, eine Bürgerschule und ein Realgymnasium mit Deutsch als Unterrichtssprache, das nach 1918 auch Mädchen zugänglich war. 1900 wurde ein Nationalhaus für die tschechische Minderheit eröffnet. 1908 wurde die Eisenbahnstrecke der Lokalbahn Wekelsdorf–Parschnitz–Trautenau eröffnet. Trautenau hatte 1917 1000 meist aus Stein gebaute Häuser, 17.000 Einwohner, davon 10.110 Katholiken, 368 Protestanten evangelisch-lutherischen Glaubens und 292 jüdischen Glaubens.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Österreich-Ungarn der Vertrag von Saint-Germain diktiert. Das Selbstbestimmungsrecht der deutschsprachigen Bevölkerung im Sudetenland (Deutschböhmen und Deutschmährer), die im Oktober 1918 die eigenständigen Provinzen Deutschböhmen und Sudetenland gegründet hatten, blieb dabei unberücksichtigt. Die Tschechoslowakei wurde gegründet und Trautenau 1918 durch tschechoslowakische Soldaten besetzt. 1920 wurden eine tschechische Bürgerschule und ein tschechisches Realgymnasium errichtet. Die wirtschaftliche Situation der Stadt verschlechterte sich 1923 durch die Inflation der Geldwährung und 1929 bis 1930 durch eine Massenarbeitslosigkeit infolge des Wegbrechens der traditionell gewachsenen Handelsmärkte. 1930 lebten in der Stadt 15.923 Einwohner, 1939 waren es 14.811.

Infolge des Münchner Abkommens wurde Trautenau, das überwiegend deutschsprachige Bewohner hatte, 1938 dem Deutschen Reich angeschlossen und war bis 1945 Sitz des Landkreises Trautenau, Regierungsbezirk Aussig, im Reichsgau Sudetenland. An die 3000 Tschechische Bürger verließen die Stadt, 25 Tschechische Bewohner lebten weiter unter den Deutschen, Schulen seine überall dort eröffnet wurden, wo die Schüleranzahl für Klassen ausreichend gewesen war, und die erforderlichen Lehrer zur Verfügung standen.

Die jüdischen Mitbürger wurden verfolgt, enteignet und versuchten zu flüchten. Die Synagoge wurde am 9. November 1938 durch Anhänger des Nationalsozialismus niedergebrannt.

In Parschnitz wurde im Oktober 1942 ein Zwangsarbeitslager mit Juden eingerichtet. Nach dessen Auflösung kam im März 1944 dorthin ein Kommando des KZ Groß-Rosen mit 2500 Jüdinnen.

 

Hugo, Theisinger “ Die Sudetendeutschen „  1987
Reinhard Lamer “ Trautenau – Geschichte einer Deutschen Stadt „ 1971

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