Teichstatt

 

Geschichte:
Teichstatt mit Ortsteil Kreibitz-Neudörfel und Kleinsemmering
Das in 465 m Höhe gelegene Teichstatt an der Eisenbahnlinie Warnsdorf-Bodenbach und Ebersbach oder RumburgBöhmisch Leipa und an der Autobuslinie Neugersdorf- Kamnitz, Zittau-Kreibitz, WarnsdorfSchönfeld und Teichstatt-DittersbachHerrnskretchen war eine beliebte Sommer- und Winterfrische. Der Ort war von Bergen und Wäldern umgeben und hatte auf einer Grundfläche von 1158 ha 1525 Einwohner, 544 Haushalte und 280 Häuser. Der Ort wurde 1715 auf den Gründen des ehemaligen Stockteiches erbaut, daher der Name. Der östliche Ortsteil, das frühere „Kreibitzer Neudörfel„, wird jedoch schon 1487 urkundlich erwähnt. Von der westlichen Gemeindegrenze bot sich ein herrlicher Blick auf das Kreibitztal , der Kreibitzer Berg und das Elbsandsteingebirge. Auf den südlichen Ortsgründen wurde zur Bannung der Überschwemmungsgefahr zwischen Eibenberg und Schöber mitten im Wald eine Talsperre errichtet, die – obwohl das Baden verboten war – besonders von Kindern als Badeteich benutzt wurde.
Wenige Schritte genügten, um die Ruhe des Waldes genießen zu können. Bequeme Halbtageswanderungen führten zu landschaftlich schönen Punkten, die jeden Naturfreund zum Wiederkommen veranlassten. Mit den erwähnten zahlreichen Verkehrsmöglichkeiten konnte jedermann in kurzer Zeit all die herrlichen Berge, Täler und Orte des schönen böhmischen Niederlandes und das Elbsandsteingebirge erreichen. Zwei große Teiche (4 und 44 ha) luden zum Baden und Rudern ein. Sportplätze waren direkt im Ort, einen Tennisplatz besaß der Fremdenhof Kleinsemmering. Im Winter boten die Berghänge gute Ski- und Rodelmöglichkeiten. Der Ort hatte seit 1913 eine Wasserleitung mit einer Leitungslänge von 3800 m aus dem Quellgebiet vom Bergabhang des Plissenberges, hatte ein eigenes Postamt und eine gute ärztliche Versorgung am Platz. Der nächste Bahnhof war die Stadion Kreibitz-Teichstatt.
Teichstatt wurde erst am 29.11.1892 zur politischen Gemeinde erhoben. Es hatte ein staatliches Forstamt, eine dreiklassig Volksschule (erbaut 1894) und vor 1938 auch eine tschechische Volksschule wegen der dort an ansässigen tschechischen Bahn- und Postbeamten.
Die Kirche zu St. Josef, deren Grundsteinlegung 1909 erfolgte, war eine Filialkirche der Pfarrei Kreibitz. Teile des Ortes waren nach Schönlinde, nach „Grund“ und St.Georgental eingepfarrt. Für Sport- und kulturelle Veranstaltungen war eine geräumige Turnhalle vorhanden. An Industrie- bzw. Gewerbebetrieben waren vorhanden 1 Glashüttenwerk (Nordböhmische Glashüttenwerke GmbH), 1 Glasraffinerie und 1 weitere Glaswarenerzeugung , die Holzwarenfabrik Burghardt und Co., Inhaber Heinrich Müller, in Kleinsemmering, sowie 10 Gasthöfe – Gasthaus „Zur Post“ und die notwendigen Einzelhandelsgeschäfte. Bemerkenswert war, das in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs die Glashütte der Firma E.Michel und Co. (1873 von Fr.Zahn gegründet) stand.
Das „ Alte Gericht“ wurde 1757 mit einer Anzahl anderer Häuser von den Preußen auf ihrem verhängnisvollen Rückzug in Asche gelegt. Im Ort trafen die Straßenzüge von Kreibitz, Schönfeld, St.Georgental, Daubitz und Schönlinde sich kreuzend zusammen. Südlich des Dorfes erhebt sich der phonolitische Fladenberg (598 m) , wo nach einer Sage ein Ritter von Flade eine Glashütte geleitet haben soll, von der noch einige Grundmauern zu sehen seien. Noch mehr südöstlich blickt der Tannenberg herüber, dazwischen führt die von Schönlinde kommende Straße südlich in 40 min nach Kleinsemmering, Gutenberg a.Raabklamm einen kleinen aus drei Häusern und einer im Wald stehenden Holzwarenfabrik (Rodelschlitten, Skier, Holzbögen, Wagenholzteile u.a.) bestehenden Weiler gegenüber dem Bahnhof SchönfeldOberkreibitz. Kleinsemmering bot Touristen und Gästen ein Gasthaus mit Gartenrestaurant , einer Pension und einem kleinen Spielpark, sogar mit Orchesteranlage. Hier waren durch viele Jahre Ferienkolonien von Prager Kindern untergebracht.
Im Sandstein dieser Gegend findet sich eine große Menge charakteristischer Versteinerungen, insbesondere auch Schwammgebilde und Blattabdrücke , was den Schluß erlaubt, daß hier einst die Küste des Kreidemeeres verlief. Südwestlich führte die Kreibitzer Straße von Teichstatt in das unmittelbar an Teichstatt angrenzende Dorf Neukreibitz, zum Teil auf der Wasserscheide zwischen Plissenberg und Steingeschütte. Der Ortsteil gegen Steingeschütte und Pickelstein hieß „ Am Pass“ . Über den Pass führt die alte Handelsstraße aus der Lausitz gegen Kreibitz, auf welcher Kaiser Josef II. 1779 von Schönlinde gegen Kreibitz ritt. Direkt westlich von Teichstatt führte außerdem eine 1895 neu erbaute Bezirksstraße über den Pass (495 m) unweit des Pickelsteins in 40 min, am Ihrichtberg links vorüber, nach Daubitz. Vom Bahnhof Teichstatt führte ein Fußweg zur bekannten und beliebten Restaurant Simmch (Pension).

Durch die Grenzbestimmungen des am 10. September 1919 abgeschlossenen Vertrages von Saint-Germain kam der Gerichtsbezirk Warnsdorf vollständig zur neugegründeten Tschechoslowakei, wobei die Gerichtseinteilung bis 1938 im Wesentlichen bestehen blieb. Nach dem Münchner Abkommen wurde das Gebiet dem Landkreis Warnsdorf bzw. des Sudetenland zugeschlagen.

Es bestand die Reichsarbeitsdienst-Abteilung des Arbeitsgaues XXXVII Teplitz-Schönau Sudetenland-West am Ortsrand der Stadt Teichstatt mit der Bezeichnung 5/374, welche zu der RAD-Gruppe 374 Böhmisch Leipa gehörte.

 

 

 

 

 

 

 

Wilhelm Pfeifer „Niederlandhefte -Schriftenreihe des Bundes der Niederländer“ S.91/92 – HEFT 9 – 1977
Karl Richter “ Geschichte des Niederlandes“ 1960
Adolf Gampe “ Heimatbuch Kreibitztal und Teichstatt Niederland Verlag 1993

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