Tichlowitz

  • Beitrags-Kategorie:Landkreis Tetschen-Bodenbach
  • Beitrag zuletzt geändert am:16. Mai 2024
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Gemeindebereich

Die Gemeinde Tichlowitz, Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus fünf Ortschaften: 1. Tichlowitz mit den einschichtigen Ortsteilen Kaute und Hörnl, 2. Nieder-Wellhotten mit den einschichtigen Ortsteilen Humpreska, Weberberg (= Gröschelsberg) und Sperlingstein (nur „Kliemannel“; Böhm gehörte zur Gemeinde Babutin), 3. Ober-Wellhotten, 4. Pschüra nördlich des Grenzbaches (hingegen gehörte der südliche Teil zur Gemeinde Kleinpriesen/Kreis Aussig) mit dem einschichtigen Ortsteil Kohlloch, 5. Mühlörzen.

Mundartliche Aussprache der Ortsnamen:“Tichlwitz“,“Nera-Wellhotten“ mit „ Humbrasse“, „Wewabarg“, „Spalchsteen“, Ejwa-Wellhotten“, „Pschiere“ mit „Koullouch“, „Milirschn“. Gesamtfläche der Gemeinde: 857 ha, davon die katastralgemeinden Tichlowitz mit Ober-Wellhotten und Mühlörzen 566 ha, Nieder-Wellhotten 125 ha und Pschüra 166 ha.

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Ortsgeschichte

Im Jahre 1881 wurde bei der Erweiterung der Bahnhofsanlage in Tichlowitz in 60 cm Tiefe ein Tongefäß gefunden, das angeblich etwa 60 ganze oder zerbrochene Bronzegegenstände enthalten haben soll. In verschiedenen Museen erhielten sich aber nur einige spätbronzezeitliche Geräte und Schmucksachen. (Quelle: H.Preidel)

Die Herrschaftszugehörigkeit des Tichlowitzer Gebietes und das Gut Tichlowitz

Es ist ungeklärt, ob Tichlowitz mit Umgebung im 10. und 11. Jahrhundert zum altböhmischen Gau Tetschen oder zu dem südlich anschließenden Verwaltungsgebiet gehörte oder ob es sich in privater Hand befand. Sicher scheint jedoch zu sein, Dates im 12 und 13. Jahrhundert Bestandteil des Johannitergebietes war, das vom Raum nördlich von Aussig aus hier auf das rechte Elbufer übergriff. Vielleicht beruht das Tichlowitzer Pfarrpatrozinium „Johannis Enthauptung „ auf diesem Ordensnamen. Schon Ende jenes Zeitabschnittes dürfte der Ausbau der kleinen Ansiedlung Tichlowitz begonnen haben. Anfang des 14.Jahrhunderts hatte sich, wohl begünstigt durch die Auflösung der Gaugrafschaft und die Bildung der Herrschaft Tetschen (1305/06), aus einem ursprünglich burggräflichen Wirtschaftshof ein Gutsbesitz der Ritter von Tichlowitz herausgebildet. Dieser Hof hatte ursprünglich an der Stelle des späteren Meierhofes sein befestigtes Zentrum und sein Burgbann umfasste außer den in der Neuzeit zu Tichlowitz gehörigen Ortschaften auch Hortau, Hostitz mit Schmorda und Schöras, Babutin und Rittersdorf sowie zeitweise Voitsdorf, Reichen, Neschwitz (kurzfristig auch Saubernitz) und entfernter gelegene Orte wie Munker, Tschakowitz, Dlaschkowitz. Das Gut stand wahrscheinlich in einer gewissen Lehensbindung an die Herrschaft Tetschen. Die frühesten bekannten Namensträger des bezeichneten Geschlechtes waren Zwest und Peschko (Peter) von Tichlowitz. Letzterer trat mehrfach als Patron der Pfarreien Tichlowitz, Munker, Neschwitz und Reichen (1360 bis 1362) in Erscheinung. Sein Sohn und Nachfolger Jeschko (Johann) besaß das Gut von etwa 1374 bis etwa 1419. Die Söhne des Zwest des Älteren, namens Zwest der Jüngere und Wenzel, erbten die Dörfer Schnedowitz und Tschakowitz bei Gastorf und traten in Tichlowitz nicht mehr auf. In der Zeit des Johann von Tichlowitz erreichte der Besitz durch Erwerb mehrerer Ortschaften (z.B. Schöras, ein Drittel von Hostitz, eine Mühle in Topkowitz) seine größte Ausdehnung, und 1402 bis 1404 wurde die Burg Sperlingstein beim Orte Babutin erbaut, nach der sich der Ritter bisweilen auch benannte. Möglich wäre das bereits seine Vorgänger eine kleine Veste auf dem nahen Ratenstein errichtet, doch war diese spätestens nach dem Aufkommen der Sperlingstein Baupläne wieder aufgegeben worden. Der Sperlingstein liegt auf dem Gebiet der Nachbargemeinde Babutin und wird daher zur Ortschaft Babutin näher behandelt. Nach dem allem Anschein zufolge kinderlos gewesenen Johann von Tichlowitz besaß das Gut Tichlowitz zunächst Heinrich Lefl von Lazan und Nikolaus von Lobkowitz. Der Anlass der Besitzübergänge ist nicht dokumentiert. Erst 1425 gelangte das Gut an Anna von Sternberg (geb. Von Daube, verw. Von Dauba und Leipa) als der rechtmäßigen Erbin nach Johann von Tichlowitz, die das Gut 1430 in ihre dritte, mit Siegmund von Wartenberg geschlossene Ehe einbrachte. Angehörige der mit den Rittern von Konoged und wahrscheinlich auch mit den Rittern von Algersdorf verwandten Familie „von Tichlowitz „ waren Heinrich (genannt 1407) und Martin Kladny von Tichlowitz (1411) sowie die 1423 bis 1471 auf dem Gute „Straußnitz 2.Teil“ bei Leipa nachgewiesenen Peter und Johann von Tichlowitz, die jedoch alle offenbar keine Rechte mehr auf das Stammgut hatten. Im Jahre 1534, als die Ritter von Bünau die Herrschaft Tetschen von der Herrschaft von Salhausen erwarben, war in dem Kaufvertrag das Gut Tichlowitz noch als eigene Verwaltungseinheit aufgeführt. Es umfasste damals außer den Ortschaften der späteren Gemeinde Tichlowitz sowie den angrenzenden Orten Babutin, Hortau und Rittersdorf und einen Teil von Topkowitz und Kunnersdorf (oder Kunatsdorf) bei Hortau und das linkselbisch Gleimen. Auch in der Schätzung der Herrschaft Tetschen von 1581 in das Gut Sperlingstein eigens bezeichnet, schloß aber Gleimen und Kunatsdorf nicht mehr ein; letzteres war damals offenbar bereits aufgelassen. Bei der Herrschaft Tetschen unter ihren wechselnden Grundherren (Trczka, Salhausen, Bünau und Thun) blieb das Gebiet um Tichlowitz bis 1850 , als es dem Gerichtsbezirk Tetschen zugeteilt wurde. Lediglich von 1653 bis 1671 hatte Tichlowitz zu dem gesondert verwalteten Bünauburger Teil der Herrschaft Tetschen gehört.

Ortsteile Gemeinde

Tichlowitz

Der älteste Kern der Ortschaft Tichlowitz dürfte auf einen kleinen altslawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11.Jahrhundert zurückgehen. Damals war hier, wie an mehreren anderen Stellen des Elbtales, wahrscheinlich ein Wirtschaftshof zur Versorgung der Tetschner Burgmannschaft angelegt worden, zu dem vielleicht bald einzelne kleinere Anwesen hinzukamen. Mit Beginn des Landesausbaues im 13. oder 14. Jahrhundert wurde die Altsiedlung in das größere, nach deutschrechtlicher Art mit einem Erbgericht ausgestattete Dorf Tichlowitz einbezogen. An die älteste, vordeutsche Zeit erinnert hauptsächlich noch die Flurnamen sowie die Siedlungsform, die keine Waldhufen erkennen lässt. Der Name Tichlowitz dürfte auf den Personennamen „Techla“ zurückzugehen. So hieß vielleicht der Gründer der mittelalterlichen Ansiedlung oder eine andere Person, welche bei der Gründung eine Rolle spielte. Der Ortsname bedeutet also Ort der Leute des Techla.

Im 13. und 14.Jahrhundert wurde der Ortsname ins Deutsche übernommen. Der Name des Ortsteils „Kaute“ scheint dessen versteckte Lage im Tal zu bezeichnen (Altslawisch = Winkel). Die urkundliche Nennung setzt Mitte des 14.Jahrhunderts ein. In den lateinischen abgefassten Libri Confirmationum ist die Schreibung 1363 und 1368/69 „ Tyechlouicz“, die auch in etwa gleichzeitigen tschechischen Prager Urkunden vorkommt. Das Papstzehentregister verzeichnet 1385 „techlowicz“, die tschechisch geführte Hoflehentafel 1500 „Tichlewicz“, ebenso die tschechische Landtafeleintragungen im Jahre 1543 neben der Form „Techlowicz“. In deutschsprachigen Tetschner Urkunden Ostseite 1571 fast ausschließlich die Form „Tichlowitz“ und „Tüchlowitz“ (1624) gebräuchlich. Im Jahre 1571 wies der Ort 11 angesessene Mann und 1581 12 Wirte auf. Gemäß dem Herschaftsurbar von 1624 gab es zwar bereits 24 Häuser, unter denen aber infolge mehrerer Aufkäufe durch den Meierhof nur mehr 9 Bauern waren.

Ihre Namen lauteten: Marx, Sasym, Bartsch, Groy, Hüttig, Jökel und Wendt. Die übrigen Wirte sowie Häusler hießen: Bartsch, Kunert,Borde, Grünzner, Gruner, Günther, Hora, Murre, Seidel, Steppan, Stolze, Strache und Tappicht. Weitere alte Tichlowitzer Familien waren zu jeder Zeit nicht mehr vertreten, nämlich Schaffarsch (belegt 1515) , Hanusch, Kunesch (1540) sowie Klim (1603).

Zurzeit der StR von 1654 hatte „Tychlowicze“ nun mehr 6 Bauern (offenbar waren weitere Bauern im Meierhof aufgegangen), 1 Gärtner und 19 Häusler, zusammen also 26 Häuser. Der TK von 1713 verzeichnet in „ Tichlowicz“ 7 Wirte und 26 Häusler, davon 3 Schiffer, 1 Schneider und 1 Maurer.

Die Namen der Bauern waren Jäger, Jugel, Löselbauers, Marx, Morre und Petzelt, einige altansässige Namen kamen nun mehr unter den Häuslern vor, nämlich Hüttig, Stolze und Sasim, andere waren erloschen. Der Name Pechanz trat damals zum ersten Male auf.

In der Müller‘schen Karte von 1720 kommt die Schreibung „Tichlwitz“ vor, in der Josefinischen Karte von 1781/82 wieder „Tichlowitz“. Schaller zählte für 1787 in Tichlowitz 43 Nummern sowie einen prächtig gebauten Mayerhof, darin viele schöne Gewölbe, die von Obst- und Getreidehändlern gemietet sind. Zurzeit von Sommer (1833) hatte Tichlowitz 53 Häuser mit 296 Einwohnern, 1 Schule und 1 Meierhof. Im 19.Jahrhundert erhöhte sich die Bevölkerungszahl zunächst nur langsam auf 355 im Jahre 1869, dann jedoch schneller auf 472 im Jahre 1890 und 661 im Jahre 1910 durchweg Deutsche Einwohner. Maßgeblich für diese Entwicklung war das Aufblühen der Elbedampfschifffahrt, die Errichtung der Schiffswerft, der Obstexporte und nicht zuletzt der Bau der Österreichischen Nordwestbahn im Jahre 1873/74. Von 1887 bis um 1910 hatte die Fa.Franz Fischer & Co, Erzeugung von Antikkesselsteinmasse, bestanden. Im Jahre 1930 wurde mit 735 Einwohnern der Höchststand erreicht, der jedoch großteils auf der Zuwanderung von tschechischen Bahn, -Post- und Gendarmerie Beamten beruhte (1930: 61).

Die häufigsten Familiennamen in der Ortschaft Tichlowitz waren 1934: Gaube, Jahn und Richter, Jäger, Hüttig, Lösel, Stolz, Stolze, Fohry, Fritsche, Jahnel, Pieke, Portsch, Wolf, Amstätter, Schmidt, Vzerney, Dörre, Heier, Hein, Hetzler, Bsch, Laube, Leisner, Preidel, Theißig und Wagner.

Der Meierhof und das Erbgericht: Über die Entstehung des Meierhofes Tichlowitz ist nichts überliefert, doch ist anzunehmen, dass er ursprünglich als Wirtschaftshof zur Versorgung der Tetschner Burgmannschaft Dienste. Als die Wartenberger im 15.Jahrhundert Tichlowitz an sich brachten, besaß der Hof nur einen geringen Umfang. Erst zu Beginn des 17.Jahrhunderts wurde er wesentliche erweitert, indem die Ritter von Bünau in den Jahren 1603 bis 1613 in Tichlowitz drei Bauerngüter (Hanusch, Borda und Clim) sowie eine Gartenwirtschaft (Veit Bartzsch) und in Nieder-Wellhotten eine Mühle mit Äckern aufkauften und ansehnliche Wirtschaftsgebäude errichteten. Unter dem Grafen Thun wurde der Meierhof mit 186 Strich Wirtschaftsfläche gemäß Dominikalkataster 1756 zunächst in eigener Regie weitergeführt bzw. Im 19.Jahrhundert verpachtet. Nach dem Brand der Gebäude im Jahre 1878 kamen zur Parzellierung in zahlreiche kleine Feldstücke, die nach dem Ersten Weltkrieg in das Eigentum der Pächter übergingen. Bei dem 1603 in den Meierhof einbezogenen Gut des Hanusch handelt es sich um die ehemalige Erbrichterei (Erbschänke), die schon 1550 von den Bünauern in ein Lehengut umgewandelt worden war, allerdings unter Beibehaltung des Bierbrauens, Schankes, Backens usw. Die 1665 von der Herrschaft wieder in private Hand verkaufte Schenke (ohne Braurecht) entwickelt sich später zum Gasthof „Zum Bünauer“ (Haus Nr.1). Die zusammen mit der Erbschenke an die Herrschaft gelangte Braustätte war in der Folgezeit zu einem Bräuhaus ausgebaut worden, wurde aber 1707 gleichzeitig mit der Errichtung der herrschaftlichen Brauerei in Bodenbach geschlossen. Die ab 1849 zur Gemeinde Tichlowitz vereinigten 5 Ortschaften zeigen über die Jahre folgende Entwicklung auf. Der Anstieg der Einwohnerzahl von 1032 im Jahre 1910 auf 1080 im Jahre 1930 sowie der dann folgende Rückgang bis 1939 ist großteils auf die Zu- bzw. Abwanderung von Tschechen zurückzuführen.

In Tichlowitz wurden geboren: Wilhelm John, MUDr., Medizinalrat, kaiserlicher Rat, Ehrenbürger von Pinsdorf und Altmünster am Traunsee (geb.1866, gest.1934 in Altmünster), Friedrich Seemann, Professor an der Landwirtschaftlichen Akademie in Tetschen-Liebwerd, Geologe und Wasserfachmann (geb. 1884, gef. 1914 in Serbien).

Ortschaft Nieder-Wellhotten

Der Name Wellhotten lässt erkennen, dass es sich nicht um einen so alten Ort wie Tichlowitz, sondern um eine Rodungssiedlung einer früheren Ausbauperiode handelt, die seinerzeit hinsichtlich der Steuerabgaben eine mehrjährige Befreiung genoss wie zahlreiche andere Dörfer in Böhmen, die den gleichen Ortsnamen-Stamm tragen (Altslawisch „we Ihote“ = in der Ihota gelegen). Der Ortsname wurde beim mittelalterlichen Landesausbau in verballhornter Form ins Deutsche übernommen. Obwohl die Anfänge des Ortes wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 12.Jahrhunderts liegen, stammt die älteste bekannte urkundliche Nennung erst von 1543 (nur 1515) und lautet in der tschechischen Landtafeleintragungen „przedny Lhota“, was so viel wie „Vorder-Wellhotten“ bedeutet. Auch in deutschsprachigen Tetschner Urkunden von 1751, 1581 und 1620 ist die Bezeichnung „Vorderwellhotten“ ,woran die Zugehörigkeit zum Herrschaftssitz Tetschen erkennbar ist, denn der Ort liegt näher bei Tetschen als das andere Wellhotten, das damals als Hinterwellhotten bezeichnet wurde und tatsächlich etwas entfernter liegt. Erst ab 1624 sind die Ortsbezeichnungen in der Zusammensetzung mit „Nieder“ und „Ober“ belegt. In den Jahren 1571 und 1581 wies „Forderwelhotta“ oder „forder Wellhotten“ 5 angesessene Mann bzw. Wirte auf. In den Urbaren von 1620 und 1624 waren in „Förder Welhotta“ bzw. „Nieder Wellhotta“ bereits 8 Häuser vorhanden.
Es gab 3 Bauern, durchwegs mit den Namen Hüttig, 1 Gärtner namens Murre sowie 4 Häusler mit den Namen Perthen, Hüttig und Tappich. Um 1568 soll auch eine Familie Grund ansässig gewesen sein.
Kurz nach 1600 wurde eine Mühle mit Äckern von der Herrschaft aufgekauft und in den Meierhof Tichlowitz einbezogen. Als in der jenseits der Elbe gegenüber von Pschüra gelegenen Ortschaft Rongstock zur Zeit der Ritter von Bünau vom 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts der Silberbergbau blühte, befand sich in Nieder-Wellhotten ein Pochwerk und bis 1608 eine Schmelzhütte (daher Schmelzbach und Gelände „ Auf der Schmelze). Zur StR von 1654 wurde „Welhota Dolen“ Nieder-Wellhotten) wiederum mit 3 Bauern, 1 Gärtner und 3 Häusler registriert; es bestanden somit 7 Häusler. Im TK von 1713 sind in „Unter-Wellhotten „ verzeichnet: 4 Wirte, davon 1 mit einer zweirädrigen Mühle und 3 Häusler.
Die Wirte hießen Hantschmann, John, Morre und Theißig.
In der Müller’schen Karte von 1720 heißt die Ortschaft „Nider Ihota“ und in der Josefinischen Karte von 1781/82 „Nieder Welhoten“. Gemäß der Schaller‘schen Topographie (1787) hatte „Nieder Welhoten) 10 Nummern, gemäß der Sommer‘schen Topographie „Nieder-Welhotten“ 11 Häuser mit 73 Einwohnern, 2 Mühlen nebst Öl- und Graupenstampfe. Fünfzig Jahre später bestanden 3 Mahlmühlen, 1 Brettmühle sowie 1 Schuhleisten- und Galanterieerzeugung. Die Bevölkerungszahl nahm zunächst schnell auf 138 Einwohner im Jahre 1869 und dann allmählich auf 151 im Jahre 1890 zu. Bis 1918 wohnten ausschließlich Deutsche im Ort. Der Bevölkerungshöchststand wurde 1930 mit 190 einschließlich 17 zugewanderten Tschechen erreicht.

Die häufigsten Familiennamen in Nieder-Wellhotten waren 1934: Lösel, Richter, Schneider, Bendel, Fohry, Glaube, Glanz, Kliemannel, Schröter, Stolz, Tepper, Trödel und Ungermann.

Einschicht Humpreska: Diese meist zu Nieder-Wellhotten gezählte Einschicht wurde 1543(für 1515) in der tschechischen Schreibung „Humprechticze“ und „Humprasky“ urkundlich genannt. Der Ortsname dürfte trotz des fremden Klanges auf den deutschen Personennamen Humprecht zurückgehen. Im Jahre 1571 lautete die verballhornte Schreibung des nicht verstandenen Namen „Trump Prätzka“ und seit 1581 in allen Urbaren, in den wichtigsten Steuerregistern und Topographien „Humpreska“ mit nur geringfügigen Abweichungen, wie „Humpresska“.Die nördlich von Nieder-Welhotten fast 350 m über dem Meere bzw. 200 m über dem Elbspiegel gelegene Einschicht mit nur 1 großen Bauernhof (Besitzer 1624 und 1713: Fam. Lösel) ist in den Angaben für Nieder-Wellhotten von 1571 bis 1833 nicht enthalten; hingegen schließen die Volkszählungsergebnisse von 1869 bis 1939 die Einschicht Humpreska mit ein.

Einschicht Sperlingstein, auch „ unteres Sperlingshaus“ oder „Kliemannel“ genannt, gegründet 1869.Einschicht Weberberg oder Gröschelsberg: Diese Einschicht ist wahrscheinlich um Mitte des 19.Jahrhunderts entstanden. In der Französischen Landkarte von 1848 ist sie noch nicht aufgeführt.

Ober-Wellhotten

Die bei der Ortschaft Nieder-Wellhotten gegeben Erläuterung hinsichtlich des Ortsnamens und der wahrscheinlichen Gründungszeit gelten für Ober-Wellhotten sinngemäß. Bei der frühesten urkundlichen Nennungen 1543 (für 1515) und 1554 wurde der Ort als „ZadnijLhota bzw. Lkotka“ = Hinter-Wellhotten) bezeichnet und auch in Tetschner Herrschaftsurkunden von 1571, 1581 und 1620 ist von „hinder welhotten“ oder ähnlich die Rede. Erst mit 1624 beginnt die Bezeichnung des Ortes als „ oberes“ Wellhotten. In den Jahren 1571 wies „Hinderwelhotta“ und 1581 „ hinder welhotten“ 4 angesessene Mann bzw. Wirte auf. In den Urbaren von 1620 und 1624 hatte „Hinder Wellhotta“ bzw „Ober Wellhotta „ 2 Bauern namens Hegenbarth und Seidel sowie 2 Häusler namens Perthen und Hantschke. Gemäß der StR von 1654 setzte sich „Welhota Wrchni“ (deutsch Ober-Wellhotten) unverändert aus 2 Bauern und 2 Häuslern zusammen. Gemäß dem TK von 1713 wurden in „Ober Welhoten“ 4 Wirte und 2 Häusler festgestellt. Die Wirte hießen Donat, Matzke, Peißig und Seidel, die Häusler Gaube und More. Die Müller’sche Karte von 1720 verzeichnet „Oberlhota“, die Josefinische Karte von 1781/82 „Ober Welhoten „. Nach Angabe von Schaller (1787) bestand „Ober Welhoten“ aus 8 Nummern, nach Sommer (1833) „Ober Welhotten „ ebenfalls aus 8 Häusern mit 51 Einwohnern. Die Bevölkerungszahl nahm seitdem nur langsam zu (1869: 55, 1890: 70 Einwohner) und erreichte 1910 mit 73 deutschen Einwohnern ihren Höchstand. Die häufigsten Familiennamen in Ober-Wellhotten waren1934: Pöhlig, Büschel, Fohry und Heller.

Pschüra (Teschner Teil)

Die Ansiedlung Pschüra scheint ebenso wie Tichlowitz auf einen kleinen altslawischen Siedlungsanfang im 10. oder 11.Jahrhundert zurückzugehen. Der Ortsname dürfte soviel wie „ vor dem Graben“, oder „Ausschwemmung“ bedeuten und steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem zwischen Lechenberg und Ziegenrücken herabstürzenden Kohlbachgraben.
Nach Ansicht von Emil Richter (Beiträge zur Heimatkunde des Elbetales, 6/1944, Heft 2, S.48) bestand Pschüra ursprünglich ausschließlich links (südlich) des Kohlbaches auf dem heutigen Kleinpriesner Gebiet/Kreis Aussig. Als solches trat es 1397 als Zubehör zum Gute Warta auf. Erst Anfang des 15.Jahrhundert sei es mit dem Aufblühen des Ortes Tichlowitz zu einer nachträglichen Besiedlung des rechten (nördlichen) Kohlbachufers gekommen, wodurch sich die Ortschaft Pschüra, Tetschner Teil bildete, auf welche sich die nachstehende Darstellung bezieht.
Die älteste Nennung Pschüraas, Tetschner Teil, datiert von 1543 (für 1515) und lautet in der tschechisch geführten Landtafel „Przirow“ und „Prziraw“. In dieser oder ähnlicher Form haben auch die seit Ende des 16. Jahrhunderts vorliegenden deutschen Urkunden des Ortsnamen übernommen. Aufgrund zweier Tetschner Verzeichnisse von 1571 und 1581 ist bekannt, dass „Pirschirof“ bzw. „Przirau“ damals mit 3 angesessenen Mann bzw. Wirten gezählt wurde. 43 Jahre später, war der Ort auf 6 Häuser gewachsen und hatte 2 Bauern (Kunert und Panicke), 2 Gärtner (Donat und Wagner) sowie 2 Häusler (Hanusch und Seidel). Diese Struktur war auch bei der Aufnahme zur StR von 1654 für „Pssurow oder Pssyrta“ festgestellt worden und galt auch noch zur Zeit des TK von 1713, der für „Psserta“ 4 Wirte und 2 Häusler nachwies.
Die Namen der Wirte: Fritsche, Richter, Füger, Sengbarth, Fritsche, Kunigt und Seidel.
Der damals zur Herrschaft Teplitz gehörende Teil von Pschüra wurde im TK von 1713 „Pssurow“ geschrieben und umfasste 6 Wirte (durchwegs Gärtner) und 5 Häusler.
Die ersteren trugen die Familiennamen Hecht, Arlt, Borde, Herlitz und Hieke; die letzteren hießen Hecht, Ehrlich und Weigel.
In der Müller’schen Karte von 1720 ist der Ort als „Pschir“ und in der Josefinischen Karte von 1781/82 als „Pschire“ verzeichnet. Der Topograph Schaller (1787) benennt “Pschira“ mit 14 Nummern, der Topograph Sommer (1833) mit 11 Häusern und 56 Einwohnern. Im weiteren Verlauf vergrößerte sich die Ortschaft trotz der vor dem Ersten Weltkrieg viele Jahre dort befindlichen großen Schiffswerft Wenzel Pechanz nur noch wenig. So hatte sie 62 Einwohner im Jahre 1869 (bis 1880 noch immer „Pschira“ geschrieben), 60 Einwohner im Jahre 1890 und 73 Einwohnern im Jahre 1910 (ausschließlich Deutschedie häufigsten Familiennamen in Pschüra waren 1934: Weigel, Dörre, Amstätter, Bilay, Hecht und Zeischke.

Einschicht Kohlloch: Diese Einschicht bestand schon im 18.Jahrhundert, da auf der Josefinischen Karte von 1781/82 der „Kohlbauer“ eingetragen ist.

Mühlörzen

Mühlörzen ist als ständiger Wohnplatz erst im 17.Jahrhundert entstanden (gemäß Neder 1610), doch ist der Örtlichkeitsname viel älter und wahrscheinlich auf eine frühere dort bestandene Köhlerei zurückzuführen. Erster namentlich bekannter Bewohner war der Heger Tausig (1632). Da er sich offenbar ursprünglich um herrschaftseigene Gebäude handelt (Dominikalbesitz), ist der Ort weder in der StR von 1654 noch in der TK von1713 aufgenommen worden. Die Müller’sche Karte von 1720 weist „Milerschen“ und die Josefinische Karte von 1781/82 in verballhornter Schreibung „Milesen“ aus. Nach Schaller (1787) waren in „Milerzen“ 11 Nummern und nach Sommer (1833) in „Milörzen“ 12 Häuser mit 93 Einwohnern, womit auch der Höchststand erreicht worden war. Seit Mitte des 19.Jahrhunderts sank die Bevölkerungszahl dieses einsam gelegenen kleinen Ortes über 62 Einwohner im Jahre 1869, 55 in den Jahren 1890 und 1910 auf 47 im Jahre 1930 (ausschließlich Deutsche). Die einzigen in Mühlörzen mehrfach vorkommenden Familiennamen waren 1930: Schneider und Gaube.

Lage

Die Gemeinde Tichlowitz liegt am rechten Ufer der Elbe in einer Meereshöhe von 130 bis über 500 m. Die Ortschaften Tichlowitz und Pschüra werden von der Bezirksstraße TetschenLeitmeritz durchzogen. Die übrigen Ortschaften und Ortsteile liegen an Nebenstraßen. Der Ortsmittelpunkt von Tichlowitz ist von Tetschen 10 km in südlicher Richtung entfernt.

Bodengestalt

Die Ortschaften der Gemeinde Tichlowitz ziehen sich teilweise am Elbuferhin, teilweise erstrecken sie sich in die Seitentäler der Elbe und an Berghängen hinauf. Das mit Buchen- und Nadelwald bestandene Bergland gehörte zum einst vulkanischen Böhmischen Mittelgebirge. Die wichtigsten Anhöhen sind hier die Rittersdorfer Berglehnen (461 m), der Rosenkamm (505 m), der Ratenstein (583 m) und die Peschesei (388 m). Der höchste Berg der Umgebung, der Zinkenstein (684 m), der meist von Tichlowitz aus bestiegen wird, liegt bereits auf dem Gebiet der Gemeinde Biebersdorf. Dieser Gipfel bietet, ebenso wie zahlreiche andere Punkte, prachtvolle Ausblicke ins Elbetal. Auf dem erwähnten Ratenstein oder Wüstes Schloß, einer vom Zinkenstein auslaufenden Basaltzunge, soll einst eine Burg gestanden haben. Tatsächlich ist um 1400 in diesem Raum eine Burg Wraty urkundlich erwähnt, die aber geschichtlich keine Bedeutung Haltung von der keine Reste vorhanden sind. An bizarren Felsbildungen befinden sich in der Nähe der Kaute der sagenumwobene Felsen „Steinernes Erdbeermädchen“, ferner oberhalb von Mühlörzen die Weißen Steine, der Sammelstein und Ohn‘s Wände. Die Gesamtfläche der Gemeinde Tichlowitz wird zu rund 32% landwirtschaftlich genutzt (einschließlich Obstbau und Gärtnerei) und ist zu rund 62% bewaldet. In den Katastralgemeinden Tichlowitz (mit Ober-Wellhotten und Mühlörzen) und Pschüra, in denen sich ein großer Teil des Zinkenstein-Bergmassiv befindet, ist der Anteil des Waldes höher (66% bzw. 58%) als in der Katastralgemeinde Nieder-Wellhotten (48%). Die Thun-Hohenstein‘sche Domäne Tetschen besaß zwecks Verwaltung des Tichlowitzer Forstrevier ein Forsthaus in Mühlörzen und je ein Hegerhaus in der Kaute und im Kohlloch.

Gewässer und Trinkwasserversorgung 

Die Gemeinde Tichlowitz besitzt 3 km Elbufer an ihrer Westgrenze. In diesem Bereich münden vier Bäche in die Elbe, nämlich der Schmelzbach oder Reichener Bach in Nieder-Wellhotten, der Schmitzerbach in Tichlowitz selbst, der Silberbach in Ober-Wellhotten und der Grenz- oder Kohlbach in Pschüra. Der Schmitzerbach war ein ergiebiges Forellenwasser. Als fünfter Bach wäre noch der Jakubiner Bach zu nennen, dessen Lauf zum großen Teil die nördliche Begrenzung der Gemeinde bildet.
Trinkwasserversorgung: Hochquellwasserleitung seit 1900 (Katenquelle), bald darauf erweitert durch zwei andere Quellen im Gebiet von Nieder- und Ober-Wellhotten.

Flurnamen

Westlich der Nordwestbahn, Richtung Nord-Süd, somit von Hietels Steinbruch bis Pschüra: Elbwiesen, Hofefelder (ehemals zum Tichlowitzer Hof gehörend, im Zuge der Bodenreform Anfang der 20er Jahre übergegangen an Landwirte, Häusler und Bauwillige, die nur Bauland erhielten), Gartenfeld, Kriegergraben.
Rechts des Schmelzbaches bis zur nördlichen Gemeindegrenze: Beim Stein, Am Weinberg, Weingarten (früher Weinbau), Kleine und Große Ebene, In der Wiese, Bäranze, Lagerplan, Graupengraben, Angers Fleckel, Auf den Mauern.
Zwischen Schmelzbach und Schmitzerbach: Bittners Büchel, Bei den Nußbäumen, Boglone (Berglehne mit Bauernwald) , Dörrstube, Lautschken, Hafaschine (Habersie), Beim Hörnl, Lischken, Dreischusterberg, Marrasen(mit Friedhof), Löselbauers (Hietels) Weinberg, Kautengraben, Hofmanns Hohne, Steinrücken-Bergweg, Mühlörzener Lehne, Pasken, Pschesei.
Zwischen Schmitzerbach und Grenzbach: Lehmhübel, Bauske, Pfarrfeld, Löselbauers Lehmgrube (ehem. Ziegelei), Boreha, Spitzer Berg, Pschesei (über die der alte Salzweg führte), Wurrare, Leschtinke, Rosenkamm, Wüstes Schloß, Podhora, Passeken, Silberborn, Klinghübel, Kohlloch, Kopeine.

Bevölkerung und Erwerb

Etwa ein Sechstel der Wohnbevölkerung der Gemeinde Tichlowitz hatte ihre Existenz in landwirtschaftlichen Berufen. Es bestanden 16 Bauernhöfe, davon 14 mit mehr als 5 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche; 5 Höfe befanden sich in Tichlowitz, 6 in Nieder-, 4 in Ober-Wallhotten und 1 in Pschüra. Die Hauptnutzungsart war der Obstbau, der ursprünglich zusammen mit dem Obsthandel, der Obstschifffahrt und dem Schiffbau die Wirtschaftsstruktur der Gemeinde bestimmte.
87 kleinere landwirtschaftliche Betriebe, die großteils erst nach der Meierhofauflösung im 19.Jahrhundert entstanden waren, dienten dem Nebenerwerb von Arbeitnehmern anderer Wirtschaftsbereiche. Die in Tichlowitz wohnhaften Arbeiter und Angestellten fuhren überwiegend nach Tetschen-Bodenbach, Politz und Aussig-Schreckenstein zur Arbeit, soweit sie nicht in den wenigen Kleinindustrie- und Gewerbebetrieben am Ort oder als Schiffner auf Kähnen und Elbdampfern Beschäftigung fanden.
Die bedeutendste, allerdings ausschließlich Kleinindustriellen Betriebe waren: in Tichlowitz die Metallknopffabrik Heier & John (die ursprünglich in Bünauburg gegründet worden war) sowie die Schiffswerft Gebr. Schröter, vormals Böhm. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte die Fa. Wenzel Pechanz in Tichlowitz und in Pschüra die größte private Schiffswerft im sudetendeutschen (damals österreichisch) Elbabschnitt; auch war sie der größte Obstexporteur des Gebietes. Ab 1923 eröffnete sie eine moderne Betriebsstätte zur Erzeugung von Spankörben. Die Pechanz‘schen Betriebe wurden Ende der 20er Jahre stillgelegt und die Firma erlosch 1934. In Nieder-Wellhotten bestanden: Metalldruckerei Adolf Hahmann, die Basaltsteinbrüche Gröschel-Gaube (Tröster) und Hietel mit zwei Steinknackern, durch Dampfmaschinen betrieben, großem Lagerplatz mit auf Gleisen laufenden Hunten und Anlageplatz für Transportkähne, sowie 2 Getreidemühlen und 1 Brettsäge. In Pschüra: bis in die 30er Jahre eine Brettsäge.
Über die vom 16. bis Anfang des 17.Jahrhunderts in Nieder-Wellhotten bestandene Erzschmelzhütte siehe Ortsgeschichte. An speziellen Handwerken wurde in Tichlowitz die Weidenkorbflechterei, die Reifenschneiderei und die Fassbinderei betrieben, deren Erzeugung im Obsthandel und bei der Obstverwertung Verwendung fanden. Als Nebenproduktion des Obstbaues wurde die Powidelkocherei (Marmelade) ausgeübt und früher auch in größerem Ausmaß Obst, insbesondere Pflaumen, in eigenen „Dörrhäuseln“ gebacken.
Auf dem Dienstleistungssektor waren in Tichlowitz vorhanden: eine Meisterkrankenkasse, ein Konsum seit den 20er Jahren sowie ein Dentist (Karl Jungnickel) seit Ende der 30er Jahre.

Verkehr, Gastgewerbe, Sport

Bahnstation: Tichlowitz; Bahnhaltestelle: Pschüra
Dampfschiffanlegestelle, zwei Fähren nach Topkowitz (die dritte Überfuhr in Pschüra lag bereits auf Kleinpriesener Gebiet). Postamt seit 1885.
Autobusverbindungen seit 1938 nach TetschenBodenbach und Schreckenstein.
Das Gastgewerbe war mit 7 Gasthäusern vertreten:
in Tichlowitz der alte Gasthof „Zum Bünauer“ oder „Seemanns Gasthof“ (G.Tober, Nr.q), „Zum Turnerheim“, früher „Pechanz‘che Restauration mit Tanzsaal ( zugleich Turnsaal) sowie großem Gastgarten (H.Jahnel, Nr.24), „Zum Dampfschiff“ am Hörnl (J.Fritsche, Nr.74); in Pschüra: die „Räubers henke“ (M.Fischer, Nr.21), genannt nach der Pschüraer Räuberbande um 1838, und „Zur Überfuhr“ in dem Kreis Aussig gehörenden Ortsteil Pschüra; in Nieder-Wellhotten: „Zum Lindenhof“ ehemals „Gröschels Gasthaus“ mit Tanzsaal (R.Tepper,Nr.9) und „Zum Sperlingstein“ (J.Anton, Nr.26).
Das alte Gasthaus „Zur Post“ der Familie Pechanz in Tichlowitz war in den 30er Jahren aufgelassen worden. Die Gemeinde Tichlowitz war schon lange vor dem Ersten Weltkriege eine beliebte Sommerfrische, die damals besonders Berlin (infolge Obstexportbeziehung) und Sachsen, Reichenberg und Gablonz a. d. Neiße besucht wurde.
Sportanlagen: Turnhalle, Turnplatz und Schulturnplatz

Pfarrei, Matriken, Kirche

Tichlowitz wurde erstmals 1360 als Pfarrei erwähnt. 1384 erscheint er als Filiale der Pfarrei Neschwitz und zahlte drei Groschen halbjährlich Papstzehent; 1412 war es selbstständig, wurde 1585 bis 1612 lutherisch und nach der Rekatholisierung wieder eine Filiale von Neschwitz. Selbstständige Pfarrei war es neuerdings seit 1873. Ursprünglich zum Dekanat Leipa gehörig, kam es dann zum Vikariat Böhmisch-Kamnitz, später zu Teplitz, 1793 zum Vikariat Aussig und schließlich zum Vikariat Tetschen. Das Pfarrwidum von Tichlowitz war das kleinste der Pfarreien in der Herrschaft Tetschen; im Dominikalkataster 1756 betrug es 8 Strich Acker, zu denen noch 12 Strich Wald kamen. Die kleine Feldfläche steht im Einklang damit, daß Tichlowitz keine Altpfarrei, sondern eine Filialkirche war.
Zum Pfarrbezirk Tichlowitz gehören: Tichlowitz, Mühlörzen, Nieder- und Ober-Wellhotten, Pschüra, Babutin, Rittersdorf und Wittine (Letzter Kreis Aussig). Sämtliche Matriken der Pfarrei Tichlowitz sind seit 1674 erhalten. Das Patrozinium der Pfarrkirche von Tichlowitz „Johannis Enthauptung „ könnte von der ursprünglichen Zugehörigkeit zu altem Johanniterbesitz herrühren. Die Kirche selbst zeigt verschiedene Baiperioden. Sie soll bereits 1284/85 als Kapelle errichtet und später erweitert worden sein. Das gotische Presbyterium stammt aus dem 15.Jahrhundert, als das vorhussitische Holzkirchlein niedergerissen worden war; Schiff und Turm am Südwest-Eck sind unter den Bünauern Mitte des 16.Jahrhundert in Renaissancebauweise errichtet worden. Einschiffiger Langraum mit flacher Decke, Presbyterium mit Kreuzrippengewölbe; Spitzbogenfenster mit Maßwerk; an der Nordseite herrausgewölbtes Sakramentshäuschen; aus Sandstein roh geformt kelchförmiger Taufstein mit lateinischer Inschrift und Jahreszahl 1585; dekorativ gut gemalte Gestalten an den vertieften Vorderflächen der Kanzel; Einrichtung neugotisch; bis zum Ersten Weltkrieg waren zwei alte Glocken von 1540 bzw. 1614 vorhanden.
Gedenkkreuze: Dorfkreuz vor der Schule, Nepomuk-Statue auf der Schmitzerbachbrücke, Wegekreuze bei Mühlörzen und Pschüra.
Kapellen: Kapelle zur Schmerzhaften Muttergottes (Bildnis einst von der Elbe angeschwemmt), Dorfkapelle bei Ober-Wellhotten, Dreifaltigkeitskapelle in Nieder-Wellhotten und Kapelle in Mühlörzen.
Pfarrei in Tichlowitz waren: schon 1914 Josef Hackel (Dechant ad Personal) und Paul Fichtner von 1925 bis 1945. An kirchlichen Feierlichkeiten fanden statt: Das Kirchenfest am 29.August, Johannis Enthauptung bzw. Sonntag danach, verbunden mit einem Volksfest. Die Schausteller kamen jeweils vom Neschwitzer Fest und zogen weiter zum Reichener Fest.
Friedhof: 1787 von ursprünglichem Platz um die Kirche auf das Kirchfeld „Marrasen“ verlegt, damit ein schön gelegener Bergfriedhof.

Schule

Focke vermutet, dass in Tichlowitz bereits in vorhussitischer Zeit eine Schule bestand. Im 16.Jahrhundert wird sie im örtlichen Grundbuch erwähnt. Im Jahre 1833 war Josef Dörre Lehrer und 1858 bestand eine zweitklassige Volksschule, die schon vor 1900 dreiklassig wurde. Zu ihrem Bereich gehörten sämtliche Ortschaften der Gemeinde Tichlowitz, die Gemeinde Babutin sowie der Aussiger Teil von Pschüra; Wittine/Kreis Aussig unterhielt die Gemeinde Tichlowitz eine einklassige Filialschule. In den 30er Jahren waren eine tschechische Minderheitenvolksschule und ein tschechischer Kindergarten eingerichtet worden. Von 1879 bis 1926 bestand in Tichlowitz eine der drei Schifferschulen des österreichischen Elbegebietes. Sie wurde vom Elbe-Verein, Sitz Aussig, gegründet und erhalten. Die Kurse, in deren Rahmen die Steuermanns- und Schiffshaupterprüfungen (Lotsenprüfung) abgelegt werden konnten, fanden in den Wintermonaten statt.

Verwaltung

Das alte Tichlowitz hatte ein auch für Rittersdorf und Babutin zuständiges Schöppen Gericht, das sich im Haus Nr. 1 (Erbschenke) befand; es ist dies der Gasthof „Zum Bünauer“, der schon 1534 urkundlich erwähnt wird. Letzterer Ortsrichter war Josef Seemann (gest.1861).
Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister seit 1918: Franz Josef Nickel, Wilhelm Seemann, Carl Heier, Leo Richter, Ernst Leissner und Josef Ihme.
Elektrifizierung seit 1922 (Lichtgenossenschaft).

Kulturpflege und Vereinsleben

Vereine: Arbeiter-Gesangsverein, Arbeiter-Radfahrerverein (aufgegangen 1924 im Deutschen Radfahrerverein „Möwe“), Deutscher Turnverein seit 1922, ATUS Arbeiter-Turn- und Sportverein, Freiwillige Feuerwehren Tichlowitz und Nieder-Nieder-Wellhotten seit 1884, Kameradschaftsverein (Veteranenverein), Katholischer Frauenbund, Ortsgruppe des Bundes der Deutschen seit 1910, des Deutschen Kulturverbandes seit 1920, Lokalklub des Nordböhmischen Exkursionsklubs gegr. vor 1914, Ortsgruppe des Gebirgsverein für die Böhmische Schweiz, Verein der Naturfreunde, Deutscher Jugendbund „Einigkeit“ seit 1911, Schifferverein gegr. etwa 1880, Kleinhäusler-Verband, Tischgesellschaft „Plattonia“, Singgruppe (Lieder nach Walther Hensel) unter Dr. Fürtig aus Hortau.
Brauchtum: Berühmt war besonders vor dem Ersten Weltkrieg, der vom Schiffsverein jedes Jahr abgehaltene Schifferball sowie der Faschingsumzug. Häufig wurden in der Winterzeit von Laien Theaterstücke aufgeführt.
Der Deutsche Turnverein veranstaltete regelmäßig Schauturnen auf dem Turnplatz und Bühnenturnen, dazu Theateraufführungen und Turnerball, weiterhin Singen von Volksliedern, Pflege von Volkskunde und Dichtung.
Osterreiten: Der Zug der Osterreiter aus dem gesamten Kirchsprengel sowie Kleinpriesen ging von Tichlowitz nach Kleinpriesen, dann zurück bis Nieder-Wellhotten, von da schließlich mit dem Pfarrer zur Pfarrkirche. Dieser Brauch ist seit 1721 belegt.
Sonstiges: Gemeindebücherei vorhanden

Sehenswertes 

Gegenüber der Kirche Meierhofgebäude, einstöckiger Renaissance-Langbau mit plastischem Allianzwappen des Heinrich von Bünauer und der Anna Thekla von Mühlow (1615) über dem Portal, tonnengewölbte Durchfahrt mit Gesimsen, es ist ein Mitte des 16.Jahrhunderts entstandener Bau, der 1698 und 1878 teilweise abbrannte. Früher befand sich wahrscheinlich an der Stelle des Meierhofes der befestigte Rittersitz. Kriegerdenkmal für die 28 Opfer der Gemeinde im Ersten Weltkrieg sowie die Kaiser- Eiche am Bräuhübel. Auf dem Friedhof das Pechanz‘sche Grabdenkmal, ein Werk des Dresdner Bildhauers Franz Schwarz.

Kriegerdenkmal

Ein Kriegerdenkmal, welches der 29 Opfer des 1.Weltkrieges gedachte, stand in der Nähe des Meierhofes.

Nachwort (Ausklang)

Die Kriegsverluste der Gemeinde Tichlowitz betrugen 72 Gefallene und Vermisste (14,5% der männlichen Bevölkerung von 1939). Im Jahre 1959 waren gut ein Viertel der ehemaligen Gemeindebewohner in der Bundesrepublik Deutschland und knapp drei Viertel in der Deutschen Demokratischen Republik.

Schon am 29. Juni 1945 erste grausame Austreibung, rund 400 Personen unserer Gemeinde. Am 26. Juli 1945 zweite Vertreibung, etwas 260 Personen. Alle wurden über die nahe Grenze bei Herrenskretschen / Bad Schandau nach Sachsen abgeschoben. Zu Beginn zu Fuß, später mit Autobussen. Viele fanden Unterschlupf in der nahen Umgebung. Einige gingen aber zurück nach Tichlowitz um dort noch einige Monate versteckt zu leben.

Am 9. Juli 1946 wurden die letzten Tichlowitzer in das Alstädter Lager überführt. Nach strenger Kontrolle wurden sie am Bahnhof Tetschen in Güterwagen verladen und in das Auffanglager Eggesin/Mecklenburg-DDR transportiert.

Im Jahre 1959 waren gut ein Viertel der ehemaligen Gemeindebewohner in der Bundesrepublik Deutschland und drei Viertel in der damaligen DDR.
Nach dem tschechischen Gemeindeverzeichnis für 1961 ist die frühere selbständige Gemeinde Babutin nunmehr in der Gemeinde Těchlovice (deutsch Tichlowitz) eingegliedert. Beide zusammen hatten 688 Einwohner, davon leben 51 in Babutin und 637 in Tichlowitz gegenüber 160 bzw. 1036 im Jahre 1939.
Die einzelnen Ortschaften wiesen folgende Bevölkerungszahlen auf: Těchlovice 505, Přední Lhota (deutsch Nieder-Wellhotten) 62, Zadni Lhota (deutsch Ober-Wellhotten) 36, Přerov (deutsch Pschüra) 28 und Milirsko (deutsch Mühlörzen) 6. Die Zahl der bewohnten Häuser in Tichlowitz einschließlich Babutin ging von 202 (1939) auf 155 (1961) zurück.

Heute

Těchlovice (deutsch Tichlowitz) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt zehn Kilometer südlich des Stadtzentrums von Děčín und gehört zum Okres Děčín.
In der gesamten Gemeinde Těchlovice lebten am 28.08.2006 512 Menschen, am 01.01.2018 waren es 525.

Tetschen-Bodenbach – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach (Hrsg.)“ – Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Ein Buch der Erinnerung“ – 1969
Alfred Herr – Heimatkreis Tetschen-Bodenbach: Städte und Gemeinden – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach e.V.“ 1977 – S.671-683
Die deutschen Heimatführer“ Band 17/18 Sudetenland – Druck 1939

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