Tetschen

 

Geschichte:
Stadtgemeinde Tetschen
Das Gebiet der Kreisstadt Tetschen – GB Tetschen – setzte sich zusammen aus der Stadt Tetschen und der Ortschaft Laube. Innerhalb der Stadt wurden im örtlichen Sprachgebrauch unterschieden: Die Innenstadt mit Schlossbezirk, die Schiffer- und Fischervorstadt, das Villenviertel, die Neustadt, die Kamnitzer Straße mit Siedlung Krumpendörfel in der Nähe der früheren Ziegelscheune, der Ortsteil Gomplitz, das Bahnhofsviertel und die Aue. In Laube war die Unterscheidung in Oberlaube und Niederlaube oder Rasseln üblich.
Die Gesamtfläche der Gemeinde betrug 502 ha, davon fielen auf Tetschen 459 ha und auf Laube 43 ha. Das ursprüngliche Ausmaß von 212 ha war 1898/99 durch die Eingemeindung von 135 ha der Gemeinde Birkigt (Gomplitz) und 1907 von 112 ha der Gemeinde Laube vergrößert worden. Tetschen liegt am rechten Elbufer schräg gegenüber der Schwesterstadt Bodenbach.
In Tetschen nehmen folgende Hauptstraßen ihren Ausgangspunkt: Staatsstraßen über Böhmisch-Kamnitz ins Böhmische Niederland (Nordosten), Bezirksstraßen über Schreckenstein nach Leitmeritz (Süden) und ins Zappenland (Nordosten). Straßen nach Westen und Nordwesten gingen über die Stadt Bodenbach ab.

Tetschen u. Obergrund, Landkreis Tetschen (Bodenbach), Sudetengau

Tetschen liegt an der Berührungsstelle zwischen den Ausläufern des Böhmischen Mittelgebirges im Süden und dem Elbsandsteingebirge im Norden. Das Gebiet der Stadtgemeinde gehört ausschließlich dem Sandsteingebiet an, welches durch den Quaderberg (292 m), den Schlossfelsen (170 m) und die leicht erhöhte Sandsteinplatte unter dem Stadtzentrum (140 m) deutlich zutage tritt.

Quaderberg
Im Jahre 1870 wurde auf dem der Stadt zugewandten Teil des Quaderberges (unweit des Steilabfalls nach Westen und Süden) eine Schutzhütte errichtet und 1879 anlässlich der Silberhochzeit des Kaiserpaares Franz Joseph I. und Elisabeth auf dem äußersten Felsvorsprung eine Aussichtsplattform ausgebaut. Diese sogenannte „Kaiseraussicht“ (282 m) – seitdem durch einen weißen Obelisken weithin sichtbar – ist wegen des malerischen Blickes auf den Tetschen-Bodenbacher Talkessels mit der Elbe sowie auf die zahlreichen Berggipfel des Böhmischen Mittelgebirges und auf das Elbsandsteingebirges berühmt.

Tetschen, Quaderberg, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudetengau

Im Jahre 1902 erfolgte der Umbau der Quaderberghütte in ein stabiles Blockhaus mit Gaststätte. Gleichzeitig wurde das damals beim Neubau des Marktplatzhauses 59 abgebrochene Renaissanceportal mit zwei Steinsitzen an das Quaderberghaus angebaut.
Der Quaderberg besitzt drei weitere markante Punkte: Die Elbwarte, ein 1890 errichteter Steinpavillon mit idyllischer Aussicht auf das canyonartige Elbtal nördlich von Tetschen bei den Ortschaften Mittelgrund und Laube; bei letzterer die ausgedehnten Gleis- und Kaianlagen des Elbumschlagplatzes Tetschen-Laube (seit 1880). Eine ähnliche Aussicht bietet der 1900 zugängliche Karolinfelsen (Gedenken an Frau Münzberg-Seitler). Die 1864 ausgebaute Leopoldshütte höchster Punkt des Quaderbergplateaus (292 m), benannt nach dem im Tetschen tätig gewesenen Bezirksvorsteher Leopold Strnad; die Aussicht von dort erstreckt sich hauptsächlich auf das nahe Felsmassiv der „Rosenkämme“, auf die anderen Fuß gelegene Ortschaft Laube und auf die Laubeschlucht.

Von der Leopoldshöhe führt der „Kaiserweg“ durch das sogenannte Bäckenloch nach Laube. Die vom Laubenbach durchflossene wildromantische Laubenschlucht mit Nixenteich, Wasserfall und Gelbes Wasser ist geziert mit Erinnerungen an Carl Maria von Weber „Freischütz“. Auf dem Samielsteig gelangt man von dort nach Losdorf.

Am Westhang des Quaderberges etwa in halber Höhe befand sich seit 1925 auf einer Geländestufe die Gaststätte „Schützenhöhe“ der Fam. Zappe seit 1870 mit Schießständen des Schützenvereins.

In den 1930er Jahren brannte das Restaurant „Schützenhöhe“ ab, das Gebäude wurde jedoch wiederhergestellt: Gastgeber Ignaz Zappe führte die Kneipe bis 1941 (bis zum Alter von 82 Jahren) und übergab sie an seine Tochter mit ihrem Ehemann.

Die unterste Geländestufe des Quaderberges tritt nahe an die Elbe heran und fällt zum Fluss steil ab. Dieser Felsen (138 m) trägt den Namen „Bohemia“, seit im Jahre1866 auf seiner Anhöhe ein Steinpavillon mit einem Bohemia-Standbild steht. Von hier genießt man einen schönen Blick auf die Stadtsilhouette von Tetschen. In früheren Zeiten war auf dem Felsen die Richtstätte der Stadt, der Galgenberg oder die Galgenleiter (errichtet 1576). Das gesamte Quaderberggebiet ist seit etwa 1880 durch zahlreiche Spazierwege erschlossen. Die drei am meisten benutzen Aufstiege gehen vom Stadtpark aus.

Tetschen mit Quaderberg, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudetengau

Der direkte und steilste Weg führt (westseitig) an der Bohemia und an der „Schützenhöhe“ vorbei, teils auf Stiegen, die zwischen Felswänden eingehauen sind, zur Kaiseraussicht. Von den anderen Aufstiegen, die beide im obersten Teil des Stadtparkes ihren Ausgangspunkt haben, führt der eine in Serpentinen zügig bergan, vorbei am Hochbehälter der Köllbornwasserleitung, fast direkt zur Kaiseraussicht. Hingegen zieht sich der dritte, der sogenannte „Ecce-Homo-Weg“, allmählich am Berghang hinan und erreicht in einem großen Bogen die Aussicht von hinten her durch den Wald. Der Name des Weges ist von der dort befindlichen alten Andachtsstätte Ecce Homo oder Herrgottsruhe übernommen, zu der früher in der Karwoche täglich Prozessionen zogen. Es handelt sich um zwei, in ausgehauenen Felsenhöhlen angebrachte Heiligenbildnisse, von denen das den Heiland darstellende obere Bild eine Kopie nach Guido Reni (ital. Maler 17.Jahrhundert) war. Der Ecce-Home-Weg wurde 1865 auf Veranlassung des Tetschner Bürgers Josef Focke neu angelegt.

Der Quaderberg ist mehrfach durchtunnelt. Im Jahre 1874 wurde der 400 m lange Tunnel der Österreichischen Nordwestbahn als Verbindung zur Elbbrücke bzw. Station Mittelgrund der Sächsischen Staatsbahn am linken Elbufer sowie zum Umschlagplatz Laube erbaut. Dieser Tunnel liegt unter dem Bohemia. Plateau. Sechs Jahre danach entstanden der 213 m lange Tunnel der städtischen Laubequelle-Wasserleitung und später die beiden Tunnel der Köllborn- und Tschirten-Wasserleitung.

Parkanlagen

In Tetschen befanden sich etwa 20 ha Parkanlagen, wovon …

Tetschen, Bau der neuen Brücke, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudetengau

Tetschen, Kettenbrücke, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudetengau

Teschen mit Schloss, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudengau

Teschen, Landkreis Tetschen-(Bodenbach), Sudengau

1939 hatte die Bezirks- bzw. Kreisstadt Tetschen 12.647 Einwohner. Der Bevölkerungsanteil im Wirtschaftsbereich Öffentlicher Dienst betrug knapp 20 %, im Bereich Handel und Verkehr knapp 30 % und im Bereich Industrie und Handwerk rund 33 %. Die Stadt hatte 1869 den Anschluss an die Eisenbahn erhalten. Auch die Elbeschifffahrt hatte für Tetschen immer eine hohe Bedeutung.
Seit 1942 sind beide Städte eine politische Gemeinde.
Durch das Münchner Abkommen wurden beide Städte 1938 zusammen mit dem Sudetenland ohne Beteiligung der tschechoslowakischen Regierung dem Deutschen Reich zugesprochen. Am 1. Oktober 1942 wurden die Städte Bodenbach und Tetschen mit der Gemeinde Altstadt zur neuen Stadt Tetschen-Bodenbach vereinigt. Im Jahr 1945 gehörten beide Städte zum Landkreis Tetschen-Bodenbach im Regierungsbezirk Aussig im Reichsgau Sudetenland. Die Synagoge der Stadt überstand als eine von wenigen in Nordböhmen den Zweiten Weltkrieg.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs übernahm am 8. Mai 1945 ein antifaschistischer Ausschuß von in der Stadt wohnhaften Deutschen und Tschechen das Rathaus und Albert Allert, deutschböhmischer Antifaschist, wurde Bürgermeister. Nach wenigen Tagen wurde Allert allerdings wegen seiner deutschen Nationalität abgesetzt und durch František Eret ersetzt.

 

Tetschen-Bodenbach – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach (Hrsg.) „Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Ein Buch der Erinnerung“ – 1969
  Alfred Herr „Heimatkreis Tetschen-Bodenbach: Städte und Gemeinden. Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach e.V.“ 1977 – S.29-99

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