Khaatal

Wir kommen zur Touristenbrücke. Auch sie wurde auf ähnlicher massivere Weise Anfang 1992 erneuert, Hier war schon vor hundert Jahren ein Knotenpunkt der Wanderwege. Ein zierlicher Holzsteg, Kirnischtbrücke genannt, überbrückte damals den Bach. Er wurde von der Abteilung Zeidler und Wolfsberg des Gebirgsvereines im Juni 1886 vollendet und im Jahre 1908 erneuert. Schon Anfang der zwanziger Jahre wurde dieser Steg, auch Drehbrücke genannt, durch eine breite für Holzabfuhr geeignete Brücke ersetzt. Nach weiteren 2 km Wandern macht die Khaatalstraße zwei scharfe Biegungen, um sich der Krümmung des Tales anzupassen. Links unter den imposanten Adlertürmen mündet der Rotkehlegrund in das Khaatal. Bei dieser Abzweigung sieht man oben an der Felswand eine große leere Nische, wo sich eine drei Zentner schwere Gedenktafel aus Metall befand, welche 1945 von der hier vorbeiziehenden polnischen Armee beschossen und vernichtet worden ist. Sie wurde am 12.Juni 1925 enthüllt und trug in der Mitte ein Portrait des Obmannes des Gebirgsvereines für das nördlichste Böhmen. Darunter befand sich folgender Text: “ Herrn MUDr. Johann Hille (Schönlinde) und seinem treuesten Mitarbeiter Herrn Anton Richter (Khaa-Rumburg) im Dienste für die Heimat.“ Dr. Hille hat sich sehr für die Verwirklichung des Straßenbaues im Khaatal verdient gemacht, welche von nun an als „Dr.-Hille-Straße“ oder „Neue Straße“ bezeichnet wurde. Vom Tage der feierlichen Eröffnung, dem 8.Dezember 1906, wurde bis unlängst ein Bild im Gasthaus Khaa (früher Gasthaus „Zur Böhmischen Schweiz bzw. Leder-Schindler) aufbewahrt. Es stelle die erste Durchfahrt eines Fuhrwerkes auf der Khaatalstraße dar, welche von dem Holzhändler August Hieke durchgeführt wurde. Leider lag das erwähnte Bild viele Jahre beschädigt am Dachboden und ist jetzt verschollen.

Nach 1 km endet die Khaatalstraße bei einem Schlagbaum an der Staatsgrenze. Links befanden sich hier bis zur Vertreibung  der deutschen Einwohner die wenigen Häuser von Hinterdaubitz. Einst konnte man hier die Straße bequem auf sächsischer Seite bis zur böhmischen Mühle weiterwandern. Durch die geplante Eröffnung des Grenzüberganges an dieser Stelle wird es nach einem halben Jahrhundert wieder zu einer Belebung und Vereinfachung des Touristenverkehrs im Khaatal kommen. Um die Böhmische Mühle heute zu erreichen, muss man am steilen böhmischen Kirnischtufer der blauen Markierung folgen und dann nach 1 km wieder zum Bach hinabsteigen. Von dem im Jahre 1936 renovierten Gebäude ist nur eine Ruine übriggeblieben und die ehemalige Wiese ist von Brennnesseln überwuchert. Der urwaldähnliche Zustand lässt kaum vermuten, dass hier einstmals ein Vielbesuchtes, gepflegtes Ausflugsgasthaus befand.

Unfern der Abzweigung zur böhmischen Mühle befindet sich an der blauen Markierung sie sogenannte Wolfstafel, wo im Jahre 1640 der Forstmeister Hans Grohmann zwei Wölfe erschossen hat.  In einem Felsblock wurde hier in gotischer Schrift ein Epitaph errichtet, welches über dieses Ereignis berichtete. Das Kleindenkmal hatte ein seltsames Schicksal. Anfang des 19. Jahrhunderts war es in Vergessenheit geraten und unter einer Schicht Waldboden verschwunden. Erst beim großen Windbruch im Jahre 1833 als eine alte Tanne zusammenbrach und eine große Bodendecke mit sich herabriss, kam unter ihr die Wolfstafel wieder zum Vorschein. Der Förster Rudolf Hermanosky ließ die Inschrift dann wieder ausbessern. Bei der Verbreiterung des Weges in den sechziger Jahren unseres Jahrhunderts wurde der Stein mit Inschrift gesprengt. Zum Glück hat der Heimatforscher Hermann Lemme im Jahre 1934 von der Wolfstafel eine Aufnahme gemacht. Sie diente als Vorlage für die Kopie, welche hier 1986 angebracht wurde und als stummer Zeuge an den in unserer Gegend ausgerotteten Wolf erinnert.

 

UNSER NIEDERLAND – Neues aus dem Khaatal – Ausgabe S.290-291
Mord in Schluckenau*

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