Rosendorf

  • Beitrags-Kategorie:Landkreis Tetschen-Bodenbach
  • Beitrag zuletzt geändert am:16. Mai 2024
  • Lesedauer:25 min Lesezeit

Gemeindebereich

Die Gemeinde Rosendorf im Gerichtsbezirk Tetschen bestand aus der Ortschaft Rosendorf und den Ortsteilen Neudorf, Neue Welt und Rosenberg. Innerhalb der Ortschaft wurden unterschieden: Oberdorf, Niederdorf, „Auf‘m Hofe“ und Auf dem Fibich Mundartliche Aussprache des Ortsnamens: „Rousduff“ oder „Rousdruff“. Gesamtfläche der Gemeinde: 1529ha

Ortsgeschichte

Rosendorf ist eine deutsche Rodungssiedlung (zweireihiges Waldhufendorf) aus der Zeit zwischen dem Ende des 12. Jahrhunderts bis etwa 1300. Auf diese Gründungzeit weisen vor allem die großräumige Anlage des Ortes (beträchtliche Zahl von Vollbauernstellen und deren große Wirtschaftsflächen), das Bestehen einer Pfarrei im Jahre 1352 mit einem für Neugründungen verhältnismäßig hohen Papstzehent (3 Groschen) und das Vorhandensein einer Erbrichterei hin. Rosendorf lag damals an der sogenannten Böhmerstraße von Bautzen nach Tetschen. Der Name Rosendorf war bisher nicht eindeutig abzuleiten. Ein Zusammenhang mit Rosen – als schmückender Name – ist nicht gerade wahrscheinlich. Neuere Forschungen in Sachsen (vergl. „Werte der deutschen Heimat, Band 1 Königstein von Richard Vogel, Berlin 1957, S.120/121) haben erbracht, dass dem im Elbsandsteingebirge mehrfach vorkommenden (Rosenberg, Rosenthal, Rosenkämme, Rosenbloß, Roßsteig u.a.) Orts- und Geländenamenbestandteil Rosen- nachweislich das mittelhochdeutsche Wort „Rosie“ zugrunde liegt. Zwar liegt Rosendorf selbst ziemlich eben, dafür hat aber der Rosenberg beachtliche steile Hänge, und es wurde schon immer vermutet, dass der Name dieses markanten Berges primär war und der Ortsname davon abgeleitet wurde. In seiner Frühzeit gehörte Rosendorf zur älteren Herrschaft Scharfenstein unter dem Geschlecht der Michelsberger. Um 1400 befand es sich als Unterlehen in den Händen eines Hannusch, gen. Hermannsdorf von Rosendorf. Ab 1562 war es der Herrschaft Binsdorf untertan, welche damals die Herren von Salhausen (zeitweise mehrere Linien) besaßen, 1612 bis 1614 gefolgt von Johann von Wartenberg und von 1614 bis 1634 von der Familie von Kinsky auf Böhmisch-Kamnitz. Nach den Ereignissen von Eger (Wallenstein und Wilhelm Kinsky‘s Ermordung) fiel Rosendorf mit der gesamten Herrschaft Binsdorf an den Feldmarschall von Aldringen. Als es nach dessen Tode zur Spaltung der Herrschaft in einen Bensner, Hohenleipaer oder auch Reifener, Binsdorfer und Rosendorfer Teil kam, wurde der Ort Rosendorf zunächst dreigeteilt. Es befanden sich laut der Steuerrolle von 1654 17 Bauern, 11 Häusler und die Kirche bei der Herrschaft Bensen, Besitzer Paul von Clary-Aldringen; 10 Bauern und 9 Häusler bei der Herrschaft Binsdorf im engeren Sinne, Besitzer Anna von Clary; 14 Bauern und 1 Gärtner beim Teilgut „Rosendorf „, Besitzer Katharina von Attems. Durch Zusammenlegung verblieb bis Ende des 17. Jahrhunderts noch eine Zweiteilung des Ortes bestehen, wobei der Bach die Grenzlinie bildete: links der zeitweise Clary zum Sperbersbach‘sche Teil (Hofseite), rechts der zeitweise Waldstein‘sche Teil (als Erbe nach Paul von Aldringen) mit der Kirche (Hutbergseite). In dieser Zeit entstanden im Ort 2 Meierhöfe, die aber im 18. Jahrhundert wieder aufgelöst wurden.

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Die älteste bekannte urkundliche Nennung des Ortes erfolgte in der Papstzehentregistern, in denen 1352 „Rosendorf“„ und 1369 bis 1405 „Rosendorph“ verzeichnet ist; 1363 kommt dort „Rosemdorf“ vor. Das älteste Kamnitzer Stadtbuch nennt 1386 „Rosendorf“, 1393 „Rosendorff“, 1400 „Rossendorff“ und 1416 „Rossindorff“. 1399 wurde „Russendorf“, 1402 „Rossedorf“ und 1408 „Rossendorf“ geschrieben. Im Jahre 1543 (1515) ist in der tschechischen Landtafel „Rouendorff“ und 1619 „Rosendorff“ aufgeführt. Aus dem ältesten Kamnitzer Stadtbuch sind für 1393 die Familiennamen Schubert und Lindner überliefert. Weiteres sind an Namen bezeugt: 1530 Dinnebier und Keßler, 1570 Enderlin, Keil, Mühlhansel und Pablenz, 1573 Weber, 1576Brehmer, 1587 Fürtig und 1598 Czirnstein.

Gemäß der Steuerrolle von 1654 hatte die gesamte Ortschaft „Rozendorff“41 Bauern, 1 Gärtner und 20 Häusler, zusammen also 45 Häuser. Die Bauern trugen folgende Familiennamen: Guth, Fiedler, Hille, Keßler, Wurm und Zumpe, Fischer, Hegenbarth, Michel, Richter, Schubert, Baltzer, Becher, Bendel, Brehmer, Dietz, Dinnebier, Füger, Köpert, Kleinpeter, Kühnel, Mitscherling und Wagner.

Im Vergleich zur Steuerrolle Ost die im TK von 1713 nach gewiesene Zahl von 31 Wirten niedrig; es sind allerdings 45 Häusler hinzuzuzählen, so dass die Zahl der Häuser 76 betrug und damit wesentlich mehr als 60 Jahre zuvor. Die erhebliche Verringerung der Bauern bzw. Wirte innerhalb dieser Zeit lag daran, dass vier Höfe zusammengelegt und weitere sechs Höfe zwecks Bildung von 2 Meierhöfen von der Herrschaft übernommen wurden, nachdem einige Besitzer wegen Rekatholisierungsmaßnahme entlaufen waren. Die Fassion zum Theresianischen Kataster (TK) nennt 1 herrschaftliche Schafmeisterei mit 1 Gesellen, 1 Schmiede sowie 1 Schuhmacher und erwähnt, dass ein Teil der Einwohner vom Spinnen lebte. Der Dominikalkataster 1756 führt in Rosendorf 85 Strich von der Herrschaft Binsdorf in eigener Regie bewirtschaftete Fläche aus (Acker und Weide), jedoch ist nicht eindeutig feststellbar, ob es sich um einen oder zwei Meierhöfe handelt.

Gemäß Schaller (1787) besaß die Ortschaft 174 Häuser, Sommer (1833) nennt 216 Häuser mit 1386 Einwohnern, von denen 7 Strumpfwirker und 9 Leinweber waren. Damals befanden sich in Rosendorf 2 Ziegelhütten, 1 herrschaftliches Jägerhaus und 2 Wirtshäuser. Es wurde auch Faßpecherzeugung betrieben.

In Rosendorf wurden geboren: Franz Xaver Kleinpeter, Direktor der Witkowitzer Eisenwerke und Abgeordneter in der Frankfurter Paulskirche (♰ nach 1865). Josef Bende, Gymnasialprofessor, Dramatiker, Volkskundler (u.a. „die Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien“, 1884), Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat und Landtagsabgeordneter, Führer der Altkatholiken in Böhmen (1846-1915 Wien), Fritz Beutel, Abgeordneter zum österreichischen Reichsrat, Klubobmann der sozialdemokratischen Angeordneten in der ČSR, Senator im Prager Parlament, Sozialpolitiker (1867-1933 Aussig). – Ein Freund und begeisterter Wahlrosendorfer war Walter Buhe (1882 Aschersleben-1958 Leipzig). Als Grafiker (Schüler von Emil Oril) und Professor an der Leipziger Kunstakademie schuf zwei einzigartige Bildwerke über Rosendorf: „Aus einem böhmischen Dorfe“ und „Die Leute von Rosendorf“. Letzteres enthält in Holzschnitten zahlreiche Charakterkörper von Dorfeinwohnern mit deren handschriftlichen Lebensläufen in Faksimile. Es ist dies ein volkskundliches Dokument ersten Ranges. Buhe besuchte Rosendorf durch drei Jahrzehnte, teils auch mit seinen Schülern.

Bei der Volkszählung von 1869 und 1890 hatte Rosendorf 1657 (erreichte Höchstzahl) bzw. 1643 deutsche Einwohner. Das Absinken des Bevölkerungswachstums (z.B. 1921: 1271 Einwohner) beruht auf der Abwanderung zu gewerblichen Arbeitsplätzen.

Die beiden Charakteristischen Familiennamen von Rosendorf waren 1934: Schubert, Richter, Ettrich, Fiedler, Seidel, Weigel, Keßler, Winter, Dittrich, Hille, Kleinpeter, Ritschel, Scherz, Hegenbarth, Uhmann, Beutel, Brehmer, Dinnebier, Peche, Raubach, Wenzel, Bendel, Fritsche, Guth, Hieke und Jäger.

Auf dem bei Rosendorf gelegenen Hutberg stellten sich 1615 900 Bauern erfolgreich dem vom neuen Herrschaftsbesitzer Radislaus von Kinsky aufgebotenen Kriegsvolkes entgegen. In den Preußenkriegen und Napoleonischen Kriegen diente der Berg wiederholt als Wachposten.

Ortsteile Gemeinde

Neudorf und Neue Welt

Dieser Ortsteil am Abhang des Hutberges wurde 1768 gegründet; er ist in der Josefinischen Landkarte von 1781/82 als „Neudorff“ eingezeichnet. Im Jahre 1833 hatte „Neudörfel“ schon 23 Häuser mit 151 Einwohnern (Zahlen in Rosendorf mitenthalten). Die Siedlung „Neue Welt“, ein Ortsteil von Rosendorf, entstand im 19. Jahrhundert.

Libinsdorf

Im Jahre 1789 wurde auf der Böhmisch-Mährischen Höhe in der Nähe von Iglau der Ort Libinsdorf durch Siedler aus dem Zappenlande angelegt, von denen die meisten (20 Familien) aus Rosendorf stammten. Sie hatten ihre deutsche Sprache teilweise bis 1945 erhalten.

Lage

Die Ortschaft Rosendorf liegt in einer Talmulde entlang des Laufs des Erlenbaches und wird von der Bezirksstraße von Jonsdorf nach Binsdorf mit Abzweigung nach Kamnitzleiten und Windisch-Kamnitz durchzogen. Die Meereshöhe beträgt 280 bis 350 m, im Neudorf bis gegen 400 m; das Dorf ist etwa 3 km lang. Von Tetschen ist Rosendorf 8 km, von Böhmisch-Kamnitz 9 km entfernt.

Bodengestalt

Die langgezogene Talmulde von Rosendorf auf der Hochebene des Zappenlandes wird im Osten vom Hutberg (399 m, Aussicht!), im Süden vom Gutsims- oder Butterberg (383 m), im Süden vom Peters- oder Sturmsberg mit Windmühle (370 m) und im Westen von einem Hügel eingeschlossen.

Alle diese flachen Kegel bestehen aus Basaltgestein, während sonst auf der Hochebene der Sandstein und Sandboden vorherrschen und nur teilweise Lößboden vorhanden ist. Der Rosenberg selbst, Basalt auf Sandsteinunterlage (618 m), bietet eine herrliche Rundsicht und wurde gern „Nordböhmischer Olymp“ oder „Nordböhmischer Rigi“ genannt. An seinem Fuße liegen sogenannte Eislöscher, in denen sich bis in den Sommer hinein Eis und Schnee hält.

Das Gemeindegebiet besteht zu 50 % aus landwirtschaftlichen Flächen und zu 40 % aus Waldboden (Rosenberggebiet). Forsthäuser gab es in Rosendorf zwei, jedoch waren sie seit der Waldverstaatlichung des Clary-Aldringen‘schen Forstreviers Rosendorf in den 20er Jahren nur mit einem Heger besetzt. Wegen seiner Lage, der frischen Bergluft und den schönen Ausflugsmöglichkeiten eignete sich Rosendorf als Sommerfrische.

Gewässer und Trinkwasserversorgung 

Rosendorf wird vom Erlenbach durchflossen, der unterhalb der Ortschaft auch Erbs- oder Erbischbach genannt wird und sich mit dem Dürrkamnitzbach etwa 1 km von dessen Einmündung in die Elbe vereint. Im Nordteil des Gemeindegebietes fließt der Jerschkenbach dem Kamnitzbach zu. Beim Ortsteil Neue Welt zwei Badeteiche mit „ Hübel‘s Freibad„; ferner der Ortsteich, der Bergteich und die sogenannten „Pfützen“ bei fast allen Bauernhöfen, die als Feuerlöschteiche und Viehtränke benutzt wurden.

Trinkwasserversorgung: Wasserleitung am Hutberg für die Bewohner von Neudorf, für die Pfarrei und ein Försterhaus, ansonsten über 30 öffentliche und private Brunnen (Burne) und Pumpen (Plumpen).

Flurnamen

Im Rosenberggebiet: Das Säubad oder Schweinsudel, Hegenbarthsbüschl, Altarstein, Vogelstein, Kahlerbloß, darüber der Gute Burn (Rosenberg-Wirtschaft), Patersbüschl und der Bierweg (zur Wirtschaft auf den Rosenberg).

Weiteres um die Ortschaft herum: Schulfolgen, Lager , Kühbrachen, Tiefer Grund und Pachgründl, Eckerschberg, Naz‘n Steinbruch, Bauersfranzen Sandgrube, Auf der neuen Welt, Hübels Bad, Gatnersbüchel, Stolzengrund, Stolzenbüchl, Lichls Pfütze, Bärloch, Butterloch, In der Riese, Großbüschl, Leuners Steinbruch, Krötenhübl, In der Kalche, Auf der Höh, Kohlgrund, Gutsimswiesl, Mitschichtsbüchl, Brahmers Hübl, Bösegründl, Rehgrund, Steiners Brünnl, Kesselantons Hübl, Fritschenleite, Wonerbauersleite, Sauerkichenwiese, Hirschhörner, Malzweg, Ziegelscheune, Wagnersbirken, Bergteich, Dixnsprung, Auf der Vogelstellige.

Bevölkerung und Erwerb

Trotz der seit dem 19. Jahrhundert eingetretenen Landflucht hatte Rosendorf die noch sehr beachtliche Quote von 35,1 % land- und forstwirtschaftlicher Bevölkerung. Gemäß dem Adressbuch 1934 gab es 72 hauptberufliche Landwirte. Es waren in erster Linie die Besitzer von Betrieben mit über 5 ha (insgesamt 49), aber offenbar auch 22 Betriebe, mitunter 5 ha im Hauptgewerbe. Außerdem gab es zahlreiche landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe. Zum Unterschied von der Landwirtschaft lagen die Prozentsätze von Industrie und Handwerk (37,3 %) sowie Handel und Verkehr (13,3 %) unter dem Durchschnitt der Dörfer des Kreises. Die Bevölkerungsstruktur nach der Stellung im Beruf lässt entsprechend der hohen Zahl von Bauern einen mit 20 % beträchtlichen Anteil von Selbständigen erkennen. Für die außerhalb des Ortes berufstätigen Arbeitnehmer kamen hauptsächlich Arbeitsplätze in der Kreisstadt infrage. Mehrere Männer fanden im Sommer bei der Schifffahrt und Flößerei auf der Elbe Beschäftigung. – In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen zahlreiche Rosendorfer den Sommer über auf die „Bleiche“ in die Gegend von Nachod in Ostböhmen.

Industriebetriebe bestanden in Rosendorf keine. Früher war beim Ritschelbauer ein Ziegeleibetrieb. Von 1800 bis etwa nach dem Ersten Weltkrieg wurde in Rosendorf auch in 3 Betrieben Lohngerberei betrieben, wozu die aus Holz gebauten Lohnmühlen auf dem Krötenhübl und an Wagnerbauersleite dienten. Die alten Mühlen fielen Stürmen und Bränden um etwa 1868 zum Opfer. Zeitweise bestanden um 1825 die Baumwollstrumpferzeugung Gottfried Rößler und um 1877 auf dem Neudorf ein Bleichhaus und eine Garnbleiche. In Rosendorf wurde bis nach dem Ersten Weltkrieg sehr viel Flachsbau betrieben, der dann im Hausbetrieb gehechelt wurde und dessen Fasern in den Winterabenden gesponnen wurden. Zur Weiterverarbeitung des Garns standen in den Häusern viele Webstühle. Einer war noch bis 1945 in Betrieb.

Anfang der 20er Jahre wurde an den Eislöchern am Rosenberg ein bezirkseigenes Schotterwerk errichtet. Ein kleines Sägewerk sorgte für den örtlichen Bedarf. An alten Handwerkszweigen wurden betrieben: Rechenmachen, Besenbinder, Korbmacher, Fassbinder, Handweberei, Stroh- und Bastflechten; an Heimarbeit gab es auch die Strumpfwirkerei sowie die Strumpf- und Sockenstrickerei.

Die Spar- und Darlehnskasse für Rosendorf und Umgebung (Raiffeisenkasse) war 1887 gegründet worden. Schon vor 1914 bestanden eine Ein- und Verkaufsgenossenschaft, die Wassergenossenschaften Oberdorf-Soorgrund und Neudorf sowie der Konsum „Einigkeit“, ferner der obere und der niedere Konsum.

Die ärztliche Betreuung bestand schon im Jahre 1837 durch den öffentlich anerkannten Quacksalber Rittig.1871 kam MUDr. Wilhelm Böhm als Kommunalarzt nach Rosendorf. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde Rosendorf Sitz Ines Distriktarztes. Als solcher war MUDr. Karl Blaschke bis 1945 tätig.

Verkehr, Gastgewerbe, Sport

Nächste Eisenbahnstation: Schöna-Herrnskretschen, nächste Bahnhaltestelle Rabstein. Post seit 1886
Autobusverbindungen seit 1925 nach Tetschen und später auch nach Herrnskretschen.

Gastgewerbe: Gasthaus „Zur Edmundsklamm„ (Hübel), „Zur Turnhalle“ mit großem Tanzsaal, „Zum Rosenberg“, „Zur Schänke“ mit Saal, Peches Gasthaus mit Saal (alle vorgenannten mit Fremdenzimmern), „Zur Post“, „Hubertusbaude“ am Hutberg (A. Siebenhäuser) und „bei Kircheis“. Außerdem wurden zahlreiche private Zimmer vermietet.
Sudetenherberge

Sportanlagen: Gemeinde-Sportplatz, Sportplatz an der Turnhalle und Sportplatz bei Peches Gasthaus; außerdem das Hübel‘sche Freibad mit zwei großen Becken.

Pfarrei, Matriken, Kirche

Rosendorf war schon 1352 Pfarrei innerhalb des Dekanates Böhmisch-Leipa und zahlte seinerzeit halbjährlich 3 Groschen Papstzehent. Ab 1562 wurde die Pfarre von protestantischen Pastoren verwaltet, nach der Rekatholisierung als Filiale der Pfarrei Arnsdorf unterstellt und erst 1786/87 wieder zur selbständigen Pfarrei erhoben. Seit 1912 gehörte sie zum Vikariat Tetschen. Eingepfarrt waren außer Rosendorf mit allen Ortsteilen auch Stimmersdorf, Rainwiese, Kamnitzleiten, Grundmühle und Edmundsklamm. Die Pfarrherren von Rosendorf – einschließlich der lutherischen- sind von etwa 1545 bis 1945 namentlich bekannt. Letzte katholischer Pfarrer von 1914 bis 1945 waren: Andreas Böhm, Johann Lindner und Robert Franze. Die Tauf- und Sterbematriken der Pfarrei Rosendorf sind seit 1658, die Trauungsmatriken seit 1670 erhalten. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul bestand als Holzbau schon in vorhussitischer Zeit und wurde 1711/12 unter dem Patronate von Franz Karl Graf Clary-Aldringen teils im Renaissance- und teils im Barockstil neu erbaut. Einschiffig, Langhaus, mit halbkreisförmigen, abgesperrtem Altarraum. Inneneinrichtung Rokoko; 10 wertvolle Bilder der Apostel von 1711 (Peter Brandel); Kanzel und ein Seitenaltar mit schönen geschnitzten Verzierungen; hölzerne Statuen der vier Kirchenlehrer und von acht Heiligen; besonders beachtenswert auf der Stufe vor dem Altarraum Standbild des hl. Johannes von Nepomuk und des hl. Adalbert. Vor der Kirche Barockstandbilder aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Glockenturm: Barock, halb gemauert und halb aus Holz. Die mittelgroße Glocke von 1408 stammt aus der 1791 aufgelassenen Katharinenkirche der Prager Neustadt.
Kirchenfeste: Patroziniumsfest am 29. Juni, Ortskirchweihe am 2. Sonntag nach Michaelis (Jahrestag der Neueinweihung am 9. Oktober 1712), dreimal jährlich Wallfahrt zum steinernen Kreuz auf den Hutberg.

Die neue evangelische Kirchengemeinde (Augsburger Konfession) von Rosendorf verdankt ihre Entstehung einer Erweckungsbewegung seit Ende der 30er Jahre des 19. Jahrhunderts. Pfingsten 1840 las der Prediger Löffler von der Herrnhuter Brüdergemeinde erstmalig auf dem Belvedere an der Elbe. 1860 erfolgten die ersten Übertritte zum evangelischen Glauben (zuständiger Pfarrei Haber bei Auscha). 1862 wurde ein eigener Friedhof auf dem Gutstimmsberg angelegt und 1864 eine evangelische Kirche (neuromantisch, einschiffig) mit Betsaal, mit der später bis 1937 eine evangelische Schule verbunden war.

Ihr letzter Oberlehrer war K. Schindler. Erster Pfarrer Konrad Beck, letzter Pfarrer von 1914 bis 1945 waren Otto Giersch, Johann Lindner und Richard Säuberlich. Die Pfarrei wurde 1875 selbständig und erstreckte sich 1939 auf 53 der insgesamt 90 Gemeinden des Kreises Tetschen. Von den über 800 Pfarrangehörigen lebten 236 in Rosendorf, 179 in Böhmisch-Kamnitz, 199 in Bensen und 192 in Steinschönau.

Der Friedhof von Rosendorf befand sich ursprünglich bei der Kirche. 1906 wurde am Sturmsberg unter der Windmühle ein interkonfessioneller Friedhof mit Begräbniskapelle angelegt. Außerdem gab es den schon genannten evangelischen Friedhof.

Wegekreuze: Schwedenkreuz, Jakobskreuz, Dörrförsterkreuz, Sturmskreuz, Uhmsklemenzenkreuz, Staffenbauersfranzenkreuz, Staffenbauersseffnkreuz, StolzenkreuzBendelskreuz, Tietzgerberskreuz , Hillgerberskreuz, Simmskreuz, Richterwilhelmskreuz, Hillenbernandskreuz, Gromerskreuz, Schäfflerantonskreuz, Bildstock am Wege nach dem Neudorf, Veronelkreuz an der Straße nach Kamnitzleiten, ebenso Jacherskreuz, Seidelkreuz im Wald nach Kamnitzleiten, Kreuz vor der Kirche, Missionskreuz bei der Kirche und das Hutbergkreuz.

Schule

Rosendorf hatte eine vierklassig, zuletzt fünfklassige deutsche Volksschule, welche eine ganzjährige Expositur in Kamnitzleiten unterhielt und der zeitweise ein staatlicher Flechtkurs für Borsten angeschlossen war. Die Schule in Rosendorf ist bereits im Jahre 1833 erwähnt; Lehrer damals Anton Marks. Das bis 1945 benützte Schulhaus war 1896 um- und ausgebaut worden, stammte aber von 1840-, letzter Oberlehrer. Piesche. Gemeindeeigener Kindergarten vorhanden.

Verwaltung

Ursprünglich besaß Rosendorf eine Erbrichterei (Erwähnt 1386). Die spätere Dorfrichterei des 17. bis 19. Jahrhunderts befand sich zeitweise im Haus Nr. 72 (Hausname „Richterhermann“), dann im Haus Nr. 65 („Richterwilhelm“) und auch im Haus Nr. 162 („bei Schubert“). Das Bestehen des von Neder erwähnten Hochgerichtet dürfte damit zusammenhängen, dass Rosendorf von 1636 bis etwa 1700 ein selbständiges Gut mit eigener Halsgerichtbarkeit war (Galgen auf dem Gutsimsberge). – Von 1849 bis 1875 gehörte die Ortschaft Kamnitzleiten zur politischen Gemeinde Rosendorf.

Gemeindevorsteher bzw. Bürgermeister seit 1918 waren: Wilhelm Seidel, Adolf Scherze, Johann Hegenbarth und Otto Schubert. Die Elektrifizierung von Rosendorf erfolgte 1922/23.

Kulturpflege und Vereinsleben

Vereine: Freiwillige Feuerwehr seit 1878, Deutsche Liedertafel seit 1880, Theater- und Dilettantenverein seit 1881. Schulverein seit 1882, Deutscher Turnverein seit 1908, Raiffeisenkassen seit 1897, Gustav-Adolf-Verein seit etwa 1864, landwirtschaftliches Kasino mit seinen Unterabteilungen wie Notschlachtungsverein, Viehversicherungsverein, Eberhaltung, Stierhaltung, Ortsgruppe des bienenwirtschaftlichen Zentralverbandes, Arbeiter-Turn- und Sportverein (Atus) seit 1920, dessen Theaterabteilung seit 1922, Deutscher Radfahrerverein seit 1928, Radfahrabteilung des Aues seit 1932, Schulhellerverein, später Deutscher Kultuverband.

Brauchtum: In Rosendorf hatte sich viel altes Volksgut und Brauchtum erhalten, u. a. Osterreiten zusammen mit Jonsdorf, Arnsdorf, Binsdorf und anderen Zappenlandorten. Todesaustreibung, Hutbergfest. In fast allen Häusern waren selbstgefertigte Weihnachtskrippen. Aufführungen des Theater- und Dilettantenvereins in der Advents- und Fastenzeit im Saal der Gastwirtschaft „Turnhalle„, die der Theaterabteilung Atus im Saal des Gasthauses „Peche“. Musik und Gesang wurden gepflegt durch den Gesangsverein, die Oberdorf’sche und Niederdorf’sche Musikkapelle und die Schrammelmusik. Es bestand ein sehr guter Kirchenchor; Chorleiter Oberlehrer Kühnel, später Stefan Scherze.

Sonstiges: Schon 1828 war eine Schulbücherei mit etwa 100 Büchern angelegt worden, die sich später zur Gemeindebücherei mithast 1000 Bänden entwickelte.

Sehenswertes 

Fünfflügelige Wind- und Motormühle seit 1878 auf dem Sturmsberg südlich des Ortes; sie war bis 1945 in Betrieb. Gasthaus „Zur Schänke“, war ehemaliger Herrschaftssystem- bzw. Verwaltungssitz. Zahlreiche alte Umgebinde- und Fachwerkhäuser. Das „Kleckhäusel“ beim Ettrichschuster bestand bis zum Zweiten Weltkrieg; es stand allen Ortsbewohnern zum Trocknen (Dörren) des Obstes und zum Kochen von Pflaumenmus zur Verfügung.

Kriegerdenkmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen 64 Rosendorfer Männer (Standplatz Auf der Höh).
Zu Ehren der im Weltkriege 1914-1918 Gefallenen, Verstorbenen und Vermißten von der Heimat gewidmet.
Rosendorf 2.8.1925

Rosenberggipfel

1808 Errichtung einer Larumstange für Beobachtungszwecke, 1881 wurde ein erster 14 m hohen hölzerner Aussichtsturm auf dem Gipfel errichtet. Kurz darauf entstand auch ein kleines hölzernes Berggasthaus. Ein Blitzschlag vernichtete den Aussichtsturm, sodass schon im Jahre 1893 ein neuer Turm mit 24 m Höhe errichtet werden musste. Auch dieser Turm existierte nur wenige Jahre, im Jahr 1903 warf ein Sturm den Turm einfach um. Der dann im Jahre 1904 errichtete neue Turm mit 18 m Höhe existierte dann immerhin bis 1938, dieser musste wegen Baufälligkeit 1938 abgetragen werden. Die berühmte Aussicht zog zu dieser Zeit viele Touristen an, bis zu 10000 Besucher jährlich wurden auf dem Berg gezählt. Das 1890 errichtete Blockhaus mit Fremdenzimmer und Gastwirtschaft wurde 1931 ein Raub der Flammen, damit begann der Niedergang als touristische Attraktion.

Nachwort (Ausklang)

Die Kriegsverluste von Rosendorf im Zweiten Weltkrieg betrugen 66 Gefallene und Vermisste (10,6 % der männlichen Bevölkerung von 1939). Im Jahre 1959 waren 45 % der ehemaligen Einwohner in der Bundesrepublik Deutschland und , 55 % in der Deutschen Demokratischen Republik.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam Rosendorf zur Tschechoslowakei zurück. Die deutschen Bewohner wurden bis 1946 vertrieben und der Ort erhielt den Namen Růžová.

Das tschechische Gemeindeverzeichnis von 1960 führt eine Gemeinde Růžová (deutsch Rosendorf) mit 678 Einwohnern auf. Zu ihr gehören die eingemeindeten Ortschaften Rüzova (deutsch Rosendorf) mit 377 Einwohnern, Kamenicka Stráň (deutsch Kamnitzleiten) mit 6 Einwohnern und Janov (deutsch Jonsdorf) mit 295 Einwohnern. Die vergleichbare Bevölkerungszahl aller drei ehemaligen Gemeinden zusammen betrug 1939 2327 (Rosendorf 1254, Kamnitzleiten 151 und Jonsdorf 922 Einwohner).

Heute

Die tschechische Gemeinde Růžová (deutsch Rosendorf) umfaßt heute auch den Ort Kamenicka Stráň (deutsch Kamnitzleiten).
1961 hatte die Ortschaft Růžová 377 Einwohner. Bei der Zählung am 02.10.2006 wurden 378 Einwohner in beiden Ortschaften registriert, am 01.01.2018 waren es 530 Bewohner.

2018 – Totenkopf-Turm

Aussichtsturm auf dem Pastevni vrch (deutsch Hutberg) bei Růžová (deutsch Rosendorf) in der Böhmischen Schweiz zählt zu den Kandidaten für den Titel „Aussichtsturm des Jahres 2018“. Die Umfrage veranstaltet der „Klub der Freunde der Aussichtstürme“.
Der Aussichtsturm gehört sicher zu den originellsten Neubauten dieser Art in der letzten Zeit. Fast 20 Jahre brauchte die Gemeinde, um am Ende eine Lösung zu finden, die auch der strengen Schutzvorschriften des Landschaftsschutzgebietes Elbsandsteingebirge harmoniert. Dann würde die Plattform im April 2018 eröffnet und hatte aufgrund ihres ungewöhnlichen Aussehens gleich mehrere Spitznamen weg, wie Totenkopf oder Gasmaske bei den Deutschen. Die Gemeinde Růžová gab ihr den offiziellen Titel „Ruzenka“ (deutsch Röschen).
Aussehen erinnert an Bunker der Schöberlinie
Der Betonturm steht auf einer Höhe von 402 Metern, misst sechs Meter und ist ein Ersatz für einen früheren Turm, der 13 Meter Höhe zu bieten hatte. Mit seinem Aussehen soll der Neue an Bunker erinnern, die in den Jahren 1937/38 errichtet wurde waren zur Verteidigung gegen Deutschland.

2020 – evangelische Kirche

Die evangelische Kirche (neuromantisch, einschiffig) mit Betsaal liegt noch immer unberührt in der Natur, zugemauerte Fenster, Zerstörungen zeigen, dass noch immer nichts zur Bewahrung dieser Kirche unternommen wird.

Tetschen-Bodenbach – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach“ (Hrsg.) – Heimatkreis Tetschen-Bodenbach. Ein Buch der Erinnerung“ – 1969
Alfred Herr – Heimatkreis Tetschen-Bodenbach: Städte und Gemeinden“ – Heimatverband Kreis Tetschen-Bodenbach e.V.“ 1977 – S.639-646
Die deutschen Heimatführer“ Band 17/18 Sudetenland – Druck 1939

Trei da Hejmt!“ Heimatzeitung für den Landkreis Tetschen-Bodenbach

https://de.mapy.cz/s/hegeburuca

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